Zur Vorbereitung des Weltkrieges.

Ein dicker Fisch geht flöten.

Als der junge Kaiser Wilhelm II. 1889 anläßlich er Hochzeit seiner Schwester Sophie mit Kronprinz Konstantin nach Athen zu reisen gedachte, beabsichtigte er auch einen Abstecher nach Konstantinopel zu machen.

Die Großmutter des Deutschen Kaisers Königin Victoria von England protestierte gegen den Besuch in Konstantinopel in einem Brief an den Deutschen Kaiser.

Wilhelm II.: »Als ich dieses Schreiben dem Fürsten [Bismarck] vorlegte, bekam er einen heftigen Zornanfall. Er sprach das Wort von der „Onkelei in England“ und dem „Dreinreden“ von dort, die aufhören müßten; [ 1]

1890 schließen die deutsche und die osmanische Regierung einen Freundschafts-, Handels- und Schiffahrtsvertrag ab [ 2]. Im darauf folgenden Jahr läßt Sultan Abdülhamid II. durch Alfred Kaulla (Württembergische Vereinsbank) bei Georg von Siemens nach Perspektiven zur Finanzierung des Baues einer Bahnverbindung von Sivas nach Bagdad anfragen. Mit Unterstützung des Deutschen Kaisers werden die ersten Schritte zum Bau der Bagdadbahn unternommen [ 3].

England reagierte und bot dem Deutschen Reich an, die Türkei unter Deutschland und Großbritannien aufzuteilen; ein Versuch Deutschland in den Augen der Türken in Mißkredit zu bringen. Das britische Angebot wird 1896 von Kaiser Wilhelm II. abgelehnt [ 4] und die Türkei entkommt dem britischen Netz.

Vorbereitungen in Großbritannien.

Im selben Jahr versammelt Ernest Edwin Williams seine Vorträge, die sich der deutsch-britischen Wirtschaftsrivalitäten annahmen, in seinem Buch „Made in Germany“.

Lord Rosebery at Colchester dazu in der Times:

"Deutschland ist uns in der technischen Ausbildung schon lange - 20, 30 oder 40 Jahre - voraus. Ich habe Angst vor Deutschland. Warum habe ich Angst vor den Deutschen? Weil ich sie so sehr bewundere und schätze. Sie sind eine fleißige Nation; sie sind vor allem eine systematische Nation; sie sind eine wissenschaftliche Nation, und was immer sie in Angriff nehmen, ob es sich nun um die Künste des Friedens oder die Künste des Krieges handelt, sie treiben es bis zur größtmöglichen Vollkommenheit voran mit dieser Industrie, diesem System, dieser Wissenschaft, die Teil ihres Charakters ist. Gewinnen wir gegenüber den Deutschen? Ich glaube im Gegenteil, wir verlieren an Boden. Neulich reiste eine der größten Autoritäten auf diesem Gebiet nach Deutschland, aufgewühlt durch das, was er in den Zeitungen über dieses Thema gelesen hatte. Als er zurückkam, sagte er einem Freund von mir, er sei absolut entsetzt über die Fortschritte, die die Deutschen in den letzten zwanzig Jahren in der technischen und kaufmännischen Ausbildung gemacht hätten, verglichen mit dem, was in England passiere [ 5]."

Am 27.04.1901 veröffentlicht die englische Saturday Review den Artikel „The German Navy and America“.
Dieser Artikel erscheint am selben Tag mit dem selben Text in vielen U.S.-amerikanischen Zeitungen. Er suggeriert dem Leser, Ziel des deutschen Flottenprogramms sei die Gewinnung von Kolonien im U.S.-amerikanischen Interessengebiet (sprich Süd-, Mittelamerika und Pazifik). Kurze Zeit darauf aber noch pünktlich, am 14.09.1901, wird der Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika William McKinley umgebracht und mit dem Beginn von Roosevelts Amtszeit bedeutet der Fall Rot für die US-Navy nun nicht mehr Krieg gegen England [ 6].

1902 starb Königin Victoria. Nachfolger wurde nicht Kaiser Wilhelm II. – stand nur an dritter Stelle der Erbfolge – sondern Edward VII, Onkel Berti.

Nun handelte es sich bei der englischen Demokratie um eine, in der der König nicht viel mehr vermochte, als das diplomatische Korps zu kontrollieren und mit ihm die Außenpolitik. Der König filterte die Berichte der Diplomaten nach eigenem Belieben.

Das erfolgreiche Zusammenwirken der deutschen und britischen Marine 1903 zur Eintreibung der venezolanischen Schulden veranlaßten die USA sich verstärkt um die Gunst der Briten zu bemühen und König Edward VII. kümmerte sich um den Rest [ 7]. Die brit. Presse überschlug sich vor Empörung über das gemeinsame britisch deutsche Vorgehen, über das Krüger-Telegramm des Kaisers, vor allem aber über die deutschen Flottenpläne.

I am afraid of Germany. Why am I afraid of the Germans?
Because I admire and esteem them so much.

Im selben Jahr erklärte der Zivillord der Admiralität Lee, daß die britische Kriegsmarine gegebenenfalls den ersten Schlag führen werde, noch ehe man auf der anderen Seite der Nordsee Zeit gehabt hätte, die Kriegserklärung in der Zeitung zu lesen [ 8]. 1904 legte Großbritannien das erste Schlachtschiff der Dreadnought-Klasse auf Kiel. Die USA zogen ein Jahr später nach.

Deutschland stellte mit SMS Nassau im März 1908 das erste Großkampfschiff in Dienst und die Katastrophe war perfekt. Ab Herbst 1908 machten „Berichte“ die Runde, bestätigt vom brit. Militärattaché in Berlin und vom brit. Konsul in Danzig, nach denen Deutschland über das angegebene Maß hinaus den Bau seiner Schlachtschiffe vorantriebe [ 9].

Am 7. Februar 1905 schrieb de Lalaing, belgischer Botschafter in London, seinem Außenminister [10]:

»Die Feindseligkeit der englischen Öffentlichkeit gegenüber der deutschen Nation ist nicht neueren Datums. Sie gründet sich, wie es scheint, in Eifersucht und Furcht: Eifersucht angesichts der deutschen wirtschaftlichen und kommerziellen Pläne; Furcht, aus der Wahrnehmung, dass die deutsche Flotte vielleicht eines Tages ein Konkurrent für die Seeherrschaft werden könnte, die die einzige ist, auf die England Anspruch zu erheben vermag. Diese geistige Haltung wird von der englischen Presse geschürt, ohne Rücksicht auf internationale Komplikationen; und ist ein sicherer Schlag gegen den ehrgeizigen Kaiser und die Machenschaften seines Kanzlers, um den Beifall der Menge zu gewinnen. [...]
Letzte Woche lobte A. Lee, Civil Lord der Admiralität, auf einem Bankett der Admiralität, die kürzlich von der Regierung eingeführten Reformen, die es ermöglichten, den ersten [militärischen] Schlag gegen einen unvorbereiteten Feind sogar noch vor einer Kriegerklärung auszuführen.

Diese Worte haben in Deutschland großes Aufsehen erregt; so sehr, dass man sich bemühte, die Affäre zu beschönigen; und hier erklärte, dass Mr. Lees Worte fehlinterpretiert wurden und dass die beiden Regierungen ausgezeichneten Beziehungen zueinander unterhielten und nicht beabsichtigen, das zu ändern.
Aber der Geist des Hurrapatriotismus [Jingoismus] verbreitet sich ungebremst unter den Menschen und die Zeitungen vergiften Schritt um Schritt die öffentliche Meinung, bis die Menschen zu der Uuml;berzeugung gelangt sind, dass Deutschland kein Recht hätte, seine Fähigkeiten zur See zu stärken, und daß ihre Marineplanung eine Herausforderung für
England darstellen.

Glauben Sie mir, usw.

(Gezeichnet) DE LALAING.

William LeQueux hatte 1906 seinen Roman „The Invasion of 1910“ veröffentlicht. Eine Million Exemplare wurden von dem Buch verkauft. Wer es nicht gelesen hatte, durfte ihn als Fortsetzungsroman in Northcliffes „Daily Mail“ lesen. Um möglichst vielen Lesern der „Daily Mail“ das Fürchten zu lehren, paßte Northcliffe die Invasionsroute dem Verbreitungsgebiet seiner Zeitung an [11].

Dank der in Großbritannien geschürten Hysterie steig die Anzahl der von der Bevölkerung gemeldeten, deutschen Spione 1906 sprunghaft an. Um nicht der Untätigkeit bezichtigt zu werden setzt 1907 die brit. Regierung einen Untersuchungsausschuß (Committee of Imperial Defense) ein, der zunächst feststellte, daß alle ihm vorgelegten Meldungen falsch oder gefälscht waren, um dann 1909 die MI5 (Military Inteligence – Abwehr) und SIS (Inteligence Service – Spionage) zu gründen [12].

Deutschland versucht der in England geschürten Angst vor einer deutschen Bedrohung entgegenzuwirken und gewährt 1906 Haldane die Gelegenheit, sich drei Wochen lang im Preußischen Kriegsministerium umzusehen.

»Admiral Fisher hat es auch im Frühjahr 1906 unserem Marineattaché gegenüber offen ausgesprochen, daß die Flottenpanik nichts weiter wäre als eines der üblichen Manöver, um das Parlament und die Nation für die Annahme größerer Wehrvorlagen vorzubereiten. Die hieraus folgende Trübung des Urteils im britischen Publikum und den wachsenden Einfluß der kriegstreiberischen Northcliffepresse hatten wir dabei als bedauerliches, aber nicht entscheidendes Übel in Kauf zu nehmen.« [13]

1909 legte LeQueux mit einem noch wilderen Roman „Spies of the Kaiser: Plotting the Downfall of England“ nach.

»Die britische Regierung ergriff den hierin [der navy scare] liegenden Agitationsstoß, um die Stapellegung von vier weiteren, im ganzen also acht Dreadnoughts im Jahr 1909 ihrem Publikum mundgerecht zu machen. Man gebrauchte gerne den Trick, die im Bau befindliche deutsche Flotte möglichst in ihrem erst 1920 zu erreichenden Endzustand, die britische hingegen in ihrem zeitigen Zustand von 1908 einander gegenüberzustellen. Der britische Steuerzahler, dem die tatsächlich erdrückende Überlegenheit der britischen Flotte nicht mit derselben Anschaulichkeit bewußt sein konnte wie der britischen Admiralität, wurde durch eine ebenso geschickt wie gewissenlose amtliche und Presseagitation mit Unruhe erfüllt und dadurch zu größeren Geldopfern willig gemacht.
Invasionsangst und nervöse Furcht vor deutschen Kriegsschiffen, Zeppelinen und Spionen begann die Gesellschaft und die Massen Englands zu durchdringen.«
[14]

Am 9.11.1911 bestätigte der Erste Lord der Admiralität Winston Churchill „daß die Erklärungen des deutschen Ministers über den Bauplan durch die Ereignisse genau bestätigt werden“ [15].

„Seit Bismarck Deutschland 1870 geeint hat, wurde Deutschland für den Rest der Welt zum Problem.
Deutschland ist die bevölkerungsreichste und disziplinierteste Nation in Europa und hat ein industrielles Potential zur Verfügung das lediglich dem der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion nachsteht. In einem Wort: Deutschland ist aufgrund seines natürlichen Vermögens die mächtigste Nation Europas und sofern man der Natur ihren Lauf läßt, ist es dazu bestimmt die Kontrolle über ganz Europa zu erlangen. Es ist genau diese Kontrolle, die anzunehmen sich Europas Nationen weigern; um das zu verhindern, fochten sie zwei verheerende Kriege [16].“

Noch ein dicker Fisch…

China hatte sich dem Westen geöffnet und wurde in britisch-/US-amerikanischer Zusammenarbeit unter Drogen gesetzt. Der Kaiser in Peking wurde von den Provinzfürsten ignoriert. Sie kochten ihr eigenes Süppchen, nicht wenige mit Hilfe der Kolonialmächte USA, Enland, Rußland, Japan und Frankreich [17]. Die Kaiserliche Marine besetzte 1897 Tientsin, ohne Spitzfindigkeiten, Drogen und Korruption – im Handstreich und geriet in Konflikt mit Rußland, das sich auf das Recht der Erstankerung berufend das Gebiet für sich beanspruchte [18].

Mit Tientsin erwarb die deutsche Hochseeschiffahrt die Möglichkeit eigene Docks und eine Bunkerstation zu errichten und was sie aus der kostspieligen Abhängigkeit von Großbritannien befreite. Damit forderte die größte Handelsflotte der Erde die USA heraus. Militärisch war Tientsin von geringer Bedeutung. Niemand nahm an, man könne den Stützpunkt im Kriegsfall länger als zwei Wochen verteidigen. Der Handel war der casus belli.

Vorbereitungen in den USA.

1907 stürzten die Kurse an der New Yorker Börse um 50% ab. Rockefeller und Morgan nutzten die Gelegenheit ihre Aktienpakete aufzustocken. Das war nicht alles. Die Empörung der Bevölkerung über das ungerechte Finanzsystem nutzten die Banker der überforderten Regierung mit Rat und Tat beizustehen. Auf Jekyll Island trafen sich Senator Nelson Aldrich (Fraktionsvorsitzender der Republikaner, Anteilseigner an der J. P. Morgan Bank und Schwiegervater des John D. Rockefeller jr.), Arthur Shelton und Braham Piatt Andrew (stellvertr. Finanzminister) mit Frank A. Vanderlip (Präsident der National City Bank), Henry Davison (Hauptteilhaber der J. P. Morgan Company) und Paul Moritz Warburg (Direktor der M. M. Warburg Investmentbank bei Kuhn, Loeb & Co.) [19].

Ergebnis der Gespräche war der Plan ein privates Zentralbankensystem zu gründen, das den Namen Bundesstaatliches Reservesystem (Federal Reserve System – FED) erhielt. Die Umsetzung des Plans erforderte Zeit und Winkelzüge, den Widerstand in Parlament und Bevölkerung zu übertölpeln. Zuletzt bedurfte es noch eines Präsidenten, der den Plan zur Gründung der FED Gesetzeskraft verlieh.
Der texanische Millionär Edward Mandell House suchte und fand den passenden Kandidaten: Woodrow Wilson.

Dank der politischen Geschicklichkeit, wie auch des Einflusses von House und dank Wilsons Oportunismus beim Erringen von Wählerstimmen, wurde Woodrow Wilson 1912 zum Präsidenten der USA gewählt [20]. Am 23. Dez. 1913 unterschrieb er die Executive Order No. 10289 zur Gründung der FED [21].

Nach der 2. Marokkokrise (1911) während der die Franzosen und Spanier in Absprache mit den Engländern Marokko besetzten und die dort getätigten erheblichen Investitionen der deutschen Industrie verloren gingen, sich Deutschland mit dem Panthersprung nach Agadir eine, wenn auch ungenügende Entschädigung abtrotzte, hielt Schatzkanzler Lloyd George vor den Bankern Großbritanniens im Mansion-House eine Rede in der er dem Deutschen Reich mit Krieg drohte.

Daraufhin bot die deutsche Regierung der britischen Verhandlungen zu einem Neutralitätsabkommen an.
Premier Asquith lehnte solche Verhandlungen rundweg ab und schickte anstelle des Außenministers im Frühjahr 1912 seinen Kriegsminister Haldane auf persönliche d.h. inoffizielle Mission nach Berlin [22].

Dass sich die Briten in einem Krieg gegen Deutschland nicht neutral verhalten würden, hörte man in den USA gerne. Zwar gab es dort in der Regierung Wilson einen aufrichtig, um Frieden bemühten, Politiker, Secretary of State William Jennings Bryan; doch Bryan erhielt diesen Posten nicht um Politik zu machen, sondern um Wilsons Präsidentschaftskandidatur nicht im Wege zu stehen [23].

Auch in der Entente Cordial galt der Bauernspruch: Liebe vergeht, Land besteht. In diesem Fall verschuldete sich zunächst Frankreich, später auch England, bei den USA in einem Ausmaß, daß die USA keine andere Wahl ließ, im Zweifelsfall selbst für die Niederlage Deutschlands sorgen zu müssen [24]. Morgan schreibt bereits am 4. Sept. 1914 an Wilson:

»Der Krieg sollte eine enorme Chance für Amerika sein.«

Militärinterventionen in Nikaragua, Puerto Rico, der Dominikanischen Republik und in Mexiko gingen dem Kriegeintritt der USA auf Seiten der Entente voraus [25].

Im Herbst 1915 traf sich House mit dem britischen Außenminister Grey [26].
Anschließend wurden wiederholt Forderungen an Deutschland gerichtet, um die deutsche Regierung zu verunsichern und um die US-amerikanische Öffentlichkeit auf einen Krieg gegen Deutschland einzustimmen.
Doch so schnell ließ sich die gegen den Krieg eingestellte Mehrheit in den USA nicht kippen. Also ließ Wilson für sich 1916 mit dem Slogan „He kept us out of war“ um eine Wiederwahl werben [27].

Neutral waren die USA nie gewesen. Während nach Kriegsbeginn die britischen Händler in den USA motiviert wurden, sich in Handelsvereinigungen zu organisieren, wurden Exporte nach Deutschland zunächst mit bürokratischen Hindernissen erschwert und kurz darauf ganz untersagt. Der Export von Weizen nach Deutschland wurde mit dem Export von Kanonen gleichgesetzt. Der große Demokrat Wilson kritisierte zu keiner Zeit die brit. Hungerblockaden gegen Deutschland und Griechenland. Griechenland nahm zwar zunächst nicht am Krieg teil, wurde aber von den Briten dank der Hungerblockade bekehrt [28].

Mit kleinen Fische fängt man die großen.

Es versenkte Deutschland Schiffe und die Briten auch, Menschen starben.

Am 12. August 1914 sagte Woodrow Wilson seinem Schwager Dr. Axen: „Ich fürchte, es wird sich irgend etwas auf See ereignen, das es uns unmöglich macht, dem Krieg fern zu bleiben [29].“
Am 13. Mai 1915 versenkte SM U20 unter Kapitänleutnant Walther Schwieger den brit. Hilfskreuzer Lusitania. Es wurden einige Tonnen Sprengstoff und Waffen versenkt; Menschen kamen ums Leben, darunter auch Bürger der USA.
House und Wilson propagieren den Kriegseintritt. William Jennings Bryan resigniert im Juni 1915 [30]. Neuer Secretary of State wurde der sich offen für den Krieg aussprechende Robert Lansing [31].

Die Versenkung der Lusitania und ein, an den deutschen Botschafter in Mexiko, gerichtetes Telegramm (das sog. Zimmermann-Telegramm, demnach,indem für den Fall des Kriegseintrittes der USA auf Seiten der Entente, der Versuch unternommen werden sollte, ein Bündnis mit Mexiko und Japan anzustreben, wurden propagandistisch ausgeschlachtet [32], um zwischen 1917 und 1918 mehr als 100 000 US-Amerikaner in den Tod zu schicken [33].

In drei Sätzen faßt Barbara Tuchman [34], Tochter eines New Yorker Bankiers, das Thema zusammen:

»Der Handel mit den Zentralmächten sank von 169 Millionen Dollar im Jahre 1914 auf 1 Million im Jahr 1916 ab, und in der gleichen Zeit stieg der Handel mit den Alliierten von 824 Millionen auf 3 Milliarden Dollar.«

Der große Fische.

In der Entwicklung des Handelsvolumens zeigt sich, daß die USA bis 1917 nicht neutral waren und in der Vervielfachung des Handels mit den Staaten der Entente die amerikansiche Absicht.

»Um der Nachfrage Genüge zu leisten, richten sich Industrie und Wirtschaft in Amerika mit ihrer Produktion ganz auf die Bedürfnisse der Verbündeten aus.«

Was die kriegführenden Verbündenten der neutralen USA bedurften liegt auf der Hand, wie auch die Selbstlosigkeit der USA ihnen zu helfen.

»Darüber hinaus waren Finanzkredite für sie notwendig, damit sie die amerikanischen Lieferungen bezahlen konnten.«

Großbritannien wird zur Milchkuh der US-amerikanischen Rüstungsindustrie.

»Die Regierung der USA verstand es im Ersten Weltkrieg, Wissenschaftler, Journalisten und Künstler in das Kriegsgeschehen fest einzubinden. Wie zuvor schon die Privatwirtschaft, so wurde nun auch das Management des Krieges methodisch-wissenschaftlich organisiert und systematisiert. Hier regiert nicht mehr länger ein US-Präsident durch Eingebungen und Launen. Die neuen Technokraten der Macht wollen ihre Arbeit auch nach dem Krieg weiterführen. Aus diesem Gedanken heraus entsteht 1921 der private Council on Foreign Relations [35]

Im Zuge des I. Weltkrieges beerbt das Council on Foreign Relations das britische Empire. Der aufkommende Nationalismus in Europa wird zum Spielball und Ebenbild des CFR.

Die übersetzten englischen Vorlagen:

Lord Rosebery:
„Germany has long been – 20, 30, or 40 years – ahead of us in technical education. I am afraid of Germany. Why am I afraid of the Germans?
Because I admire and esteem them so much. They are an industrious nation; they are, above all, a systematic nation; they are a scientific nation, and whatever they take up, whether it he the arts of peace or the arts of war, they push them forward to the utmost possible perfection with that industry, that system, that science which is part of their character. Are we gaining on the Germans?
I believe, on the contrary, we are losing ground.
The other day one of the greatest authorities on this subject went to Germany, being stirred up by what he had seen of alarm in the newspapers on the subject.
He came back and told a friend of mine that he was absolutely appalled by the progress made in the last twenty years by the Germans in technical and commercial education as compared with what was going on in England.“

Brief des belgischen Botschafter de Lalaing:

Lonnon, February 7, 1905.
Your EXCELLENCY,

The hostility of the English public towards the German nation is not of recent date. It is founded, apparently,in jealousy and in fear: jealousy, in view of Germany’s economic and commercial schemes; fear, from the perception that the German Fleet may perhaps one day become a competitor for that naval supremacy which is the only kind to which England can lay claim. This state of mind is fomented by the English Press,
heedless of international complications; and a slap at the ambitions Emperor, and the machinations of his
Chancellor, never fails to draw the applause of the crowd.

Attack provokes retaliation; and one perceives a cotresponding bitterness of tone among German writers
und journalists. When it was known the other day that the English Admiralty proposed that the Fleet, which
till now has had its base in the Mediterranean, should be concentrated in the North Sea,! Dr. Paasche sounded the alarm, and saw in this plan a proof that the Cabinet of London regarded Germany as the only enemy they had to fear in Europe.

Last week, at a banquet, Mr. A. Lee, Civil Lord of the Admiralty, praised the reforms recently introduced
by the Government as making it possible to strike the first blow before the enemy were ready, even before war, indeed, were declared.2 He added that it was, above all, in the direction of the North Sea that the Admiralty should keep a sharp look out.

These words have created a great sensation in Germany; so much so that an effort was made to gloss over the
affair; and they say here that Mr. Lee’s language was misinterpreted, and that the two Governments are on
excellent terms and mean to remain so. But the spirit of jingoism runs its course unchecked among the people
in England; and the newspapers are bit by bit poisoning public opinion, until people have come to believe that Germany has no right to increase her naval strength, and that her Navy Estimates constitute a challenge to England.

Believe me, etc.

(Signed) DE LALAING.

Quellen:

[ 1] Kaiser Wilhelm II., Ereignisse und Gestalten, Wolfenbüttel 2012, S. 21
[ 2] Schultze-Rhonhof, Gerd, 1939 Der Krieg, der viele Väter hatte, München, 2012, S. 42f
[ 3] Korn, Wolfgang, Schienen für den Sultan, Köln, 2009, S. 66f
[ 4] Schiemann, Theodor, Wie England eine Verständigung mit Deutschland verhinderte, Berlin, 1915, S. 9
[ 5] Rosebery zitiert nach Williams, Ernest, Made in Germany, London 1896
[ 6] Schulze-Rhonhof, Gerd, a.a.O., S. 33
[ 7] Schiemann, Theodor, a.a.O., S. 11
[ 8] Tirpitz, Alfred v., Erinnerungen, Leipzig 1919, S. 172
[ 9] Andrew, Christopher, MI5, Berlin 2011, S. 29
[10] Morel, Edmund, Diplomacy Revealed, London 1921, S. 5f
[11] Andrew, Christopher, a.a.O, S. 26ff
[12] Andrew, Christopher, a.a.O, S. 36ff
[13] Tirpitz, Alfred von, a.a.O., S. 177
[14] Tirpitz, Alfred von, a.a.O., S. 176f.
[15] zitiert nach Tirpitz, Alfred von, a.a.O., S. 176.
[16] Morgenthau, Henry, Germany and the Future of Europe, 1951, Preface
[17] Vogelsang, Kai, Geschichte Chinas, Stuttgart 2021, S. 440ff
[18] Tirpitz, Alfred von, a.a.O., S. 65
[19] Wolff, Ernst, Finanz-Tsunami, 2017, S. 38ff
[20] Powell, Jim, Wilson’s War, New York 2005, S. 78
[21] Wolff, Ernst, a.a.O., S. 40
[22] Wilhelm II., The Kaiser’s Memoirs, New York, London 1922, S. 161f.
[23] Powel, a.a.O. S. 79
[24] Wolff, Ernst, a.a.O., S. 51
[25] Powell, a.a.O. S. 80ff
[26] Powell, a.a.O., S. 91
[27] Powell, a.a.O., S. 92
[28] Powell, a.a.O., S. 88
[29] Tuchman, Barbara, August 1914, Frankfurt 2014, S. 356
[30] Perloff, James, False Flag at Sea, http://jamesperloff.com Stand: 21.05.2014
[31] Powell a.a.O., S. 85
[32] Schulze-Rhonhof, Gerd, 1939 Der Krieg, der viele Väter hatte, München 2012, S. 79
[33] Powell, a.a.O., S. 95f
[34] Tuchman, Barbara, a.a.O., S. 354
[35] Ploppa, Hermann, Der Klub der „Weisen Männer“, Telepolis 19.08.2008