Donbas – Wir sind die moralischen Sieger.

Man kann Geschichte auf vielerlei Weisen interpretieren. Die Historiker, die es zu etwas gebracht haben, verwenden die Geschichte um die gegenwärtige Politik ihrer Brötchengeber zu rechtfertigen.

China, Rußland und die Türkei einen ein und dieselbe Erfahrung: Als sich China Mitte des 19. Jahrhunderts dem Westen öffnete, marschierte der Westen in Peking ein, wurde das Land in wirtschaftliche Einflußsphären aufgeteilt. Als sich Rußland im frühen 20. Jahrhundert dem Westen geöffnet hatte, schlitterte es erst in den Weltkrieg 1914/18 und wurde, nach Gründung er Sowjetunion von 10 westlichen Staaten mit Militär überschwemmt. Als sich die Türkei dem Westen öffnete, endete das im Versuch des Westens die Türkei im Anschluß des Weltkrieges 1914/18 in britische, französische, griechische und italienische Kolonien umzuwandeln. Attatürk kämpfte weiter und vermochte so die Herrschaft der Türken über Kleinasien zu bewahren.

Erstaunlich ist nicht Rußlands Schritt die Republiken am Donbas anzuerkennen (erinnert sei an Nordzypern, die Republik der Türken). Erstaunlich ist oder sollte sein, die dummdreiste Reaktion Scholz, Putin wegen des in einem Telefonat gefallenen Begriffes vom Völkermord zu verhöhnen und dies angesichts der, durch 10 Jahre währenden Artilleriefeuers, der – durch US-amerikanische Ausbilder geschulten – Abenteurer in der Ukraine, zerfetzten Menschenleben im Donbas.

Unter der ideologischen Käseglocke unter die sich die westlichen Politiker begeben haben, zählt natürlich die politisch korrekte Bezeichnung mehr als die seit fast 10 Jahren dahinsiechende Bevölkerung des Donbas.

Hoffnungen aufgrund von Sanktionsdrohungen gegen ein Land, dessen Wirtschaft bereits jetzt durch Sanktionen geknebelt ist, verbieten sich angesichts der ohne Not sabotierten Erdgaspipeline Nordstream 2. Das US-amerikanische Fraking-Gas ist nur dann konkurrenzfähig, wenn das ohne großen Aufwand gewonnene russische Erdgas nicht verkauft wird. Dumm vom Westen anzunehmen, die ökonomischen Kosten ließen einen Krieg um den Donbas aus buchhalterischen Gründen unwahrscheinlich erscheinen. Der Größenwahn des Westens ist gewiß der wissenschaftlichen Inzucht und seiner Selbstisolation, das heißt seinem Abschied aus der realen Welt, in der es stinkt und kracht, zu verdanken. Buchhalterisch betrachtet, könnte man kurzfristige Investitionen und langfristige Investitionen unterscheiden, wenn man wollte.

Einen differenzierten Blick auf die Welt zu nehmen, ist in der politischen Blase des Westens unmöglich geworden und verpönt. Wir sind die Mehrheit und wenn nicht, sorgt das Trommelfeuer der Medien unseren Standpunkt mehrheitsfähig zu machen.

Die Pokerrunde ist zu Ende. Die Karten sind noch nicht alle aufgedeckt. Realpolitik täte Not, um das Schlimmste zu verhüten. Doch haben wir es nötig uns von unseren Chimären zu verabschieden? Ich befürchte, dass wir dazu nicht mehr in der Lage sind. Wir sind und bleiben die moralischen Sieger.

Eine Welt.

Die Vorstellung von der „Einen Welt“, zu deren Erhalt eine Ethik notwendig sei, die nur verordnet werden kann, da die vorherrschende Moral (die gelebte Ethik) ihr widerspricht, ist in sich widersprüchlich und daher ein Irrsinn, ein gepflegter Irrsinn, da sich in anderer Weise der Einzug von Wissenschaft und Künstlicher Intelligenz in die Politik des Staates nicht vermitteln läßt.

Als die Wissenschaft die Regeln entdeckte, nach welchen die eine oder andere Eigenschaft einer Pflanze, eines Tieres vererbt wird, hatte das als Resultat die unübertroffene Hosteiner Kuh aber auch den hüftlahmen Deutschen Schäferhund, Rassismus, Sklaverei und Herrenmenschentum. Die Freiheit der Wissenschaft wäre die Voraussetzung für eine moralisch integre Wissenschaft. So aber, da die Universitäten ihre Existenz nur bewahren können, indem sie ihre Seele verkaufen, an China wie man liest, an die Pharmaindustrie, an Google und Co. ist das wissenschaftliche Ergebnis Zwecken untergeordnet, die sich Moral wie Ethik entziehen.
Der Moral deshalb, weil die meisten Menschen die wissenschaftliche Begründungen nicht nachvollziehen können. Unserem katastrophalen Bildungssystem sei Dank.
Ethisch, weil den Menschen Vorgaben mit dem Hinweis auf deren Wissenschaftlichkeit aufgenötigt werden.

Die Freiheit der Wissenschaft findet auch dort nicht statt, wo die Ethik selbst ihr Gegenstand ist.

Wir sanktionieren fremde Staaten, Unternehmen usw. weil sie gegen die durch uns vorgegebene Ethik verstoßen haben. So wie wir gegen die moralischen Verfehlungen konkurrierender Unternehmen und Staaten vorgehen, so gehen wir gegen die moralischen Verfehlungen begangen durch Menschen, Gruppen in unserer Gesellschaft bei uns vor. Eine Rufmordkampagne löst die nächste ab.

Nun sollte man bei aller Mystik nicht vergessen, daß sich durch die sich moralisch rechtfertigenden Hetzjagden, Vorteile für die eine oder andere Partei, Unternehmung, den einen oder anderen Staatsapparat ergeben.

Diese Politik der westlichen Welt, mit ihren westlichen Werten vergißt, daß es dem Westen immer weniger gelingt, diese Werte selbst zu verkörpern bzw. ihre vermeintlichen Vorteile anderen Kulturen mitzuteilen. Der Ansatz, es genüge die eine oder andere Lichtgestalt wie Juan Guaido, Joshua Wong, Maria Kolesnikowa, Alexei Nawalny, Greta Thunberg in Szene zu setzen, um, flankiert von Empörungsmaschinerie, Aktionärsversammlungen, Embargopolitik und Militärparaden, ein besseres Regierungssystem zu installieren, funktioniert nicht, weil diese Lichtgestalten dieselben nicht sind, sondern Menschen, d.h. mit Fehlern behaftet.

Mächtigere Privatpersonen, die in der Gemeinde des weltweiten Kapitals ihr geistiges Zuhause gefunden haben und sich durch den Sturz der einen oder anderen nationalen Hierarchie einen Machtzugewinn erhoffen, sind physisch dennoch in ihrer nationalen Kultur verankert.

Es ist möglich, daß Assange in England zugrunde geht und es ist möglich daß Nawalny in Rußland zugrunde geht. Es bedarf also des Staates seine Dissidenten zu sanktionieren. Das ist der wunde Punkt der Theorie von der „Einen Welt“. Die Ausformung eines jeden Staates basiert auf einer nationalen Kultur. In England, den USA, China, Indien oder Rußland gelten ähnliche Ideale, doch unterschiedliche kulturelle Bedingungen ohne deren Kenntnis und Berücksichtigung können diese Ideale nicht in eine Form überführt werden, in denen sie ihre, die Weltgemeinschaft fördernde, Funktion erfüllen können.

Eine Außenpolitik die sich auf die permanente Zurechtweisung eines fremden Staates beschränkt, muß sich nicht wundern, wenn der gemaßregelte Staat das Gespräch abbricht, uns mit unserem diplomatischen Unvermögen alleine läßt, auf daß aus Russen Untermenschen werden oder aus Deutschen Hunnen.

Wir sind nicht die Experten was die US-amerikanische, chinesische, russische, indische oder ugandische Kulturen anbelangt. Die Geschicke anderer Staaten durch Interventionen zu beeinflussen ist auf Dauer unproduktiv. Unseren Staat, unsere Gesellschaft hingegen in einer Weise zu Demokratie und Wohlstand in einem funktionierenden Ökosystem zu entwickeln, die anderen ein Vorbild sein kann, ist für andere wie für uns wirklich alternativlos.

Es ist die Gesellschaft einer jeden Kultur selbst Mittel, Zweck und Ziel ihrer Entfaltung, ein Prozeß der nicht durch noch so kluge Einzelwesen, Kader oder Kollegien gestaltbar ist.