Herbert Henry Asquith *1852 † ,
Liberaler Imperialist, Premierminister 1908/16
⋄ plante Sturz von Campbell-Bannerman
Sir Henry Campbell-Bannerman *1836 †1908 ,
Liberaler Abgeordneter, Premierminister 1905/08
Kriegsminister 1892/95, 1. Sekretär für Irland 1884/85
⋄ Kriegsgegner
Arthur James Balfour *1848 †1930 ,
Parteivorsitzender der Konservativen (bis 1911), Schatzkanzler 1895, Premierminister 1902/05, Erster Sealord 1915, Außenminister 1916/19
⋄ Neffe des Premierminister Salisbury
Sir Joseph Chamberlain *1836 †1914, Birmingham,
Großindustrieller, Unionist, 1880/85 Handelsminister,
1895/1903 Kolonialminister / Burenkrieg (1899-1902)
⋄ Sprach sich 1898 für ein Bündnis mit Deutschland aus [ 1]
Sir Austen Chamberlain *16.10.1863 †16.03.1937,
konservativer Politiker, Schatzkanzler 1904/05 und 1919/21,
1924/29 Außenminister,
ältester Sohn von Joseph Chamberlain (Kolonialminister)
Bruder des Neville Chamberlain (Premierminister).
Benjamin Disraeli, seit 1876 Earl of Beaconsfield *1804 †1881
Konservative Partei,
mehrfach Schatzkanzler, 1874/80 Premierminister,
König Edward VII *1841 †1910,
König von 1901 bis 1910, Großmeister der englischen Freimaurer-Logen
[ *]
Viscount Reginald Esher *18__ †,
Mitglied in Kommission zum Burenkrieg,
ständiges Mitglied im CID,
Vertrauter Edward VII.
Lord John (Jacky) Fisher *1841 †1920, Admiral, 1. Seelord 1904/10 und 1914/15,
⋄ inspizierte 1905 belgisch-französisches Grenzgebiet
⋄ befürwortete einen Prävetivkrieg gegen Deutschland [ 2]
William Ewart Gladstone *1809 †1898, Liberale Partei
1868/73, 1880/85, 1886, 1892/94 Premierminister
Sir Edward Grey Viscount of Fallodon *1866 †1933,
Balliol College Oxford, Anwalt,
Liberaler Imperialist, Außenminister 1905/16,
⋄ gehörte zu einem Netzwerk hoher Regierungsbeamter [ 3]
⋄ wurde von antideutschen Fraktion im Foreign Office gezielt mit bedrohlichen Nachrichten aus Deutschland versorgt [ 4]
⋄ plante Sturz von Campbell-Bannerman [ 5]
Richard Burdon Haldane *1856 †1928, Viscount Haldane of Cloan
Liberaler Imperialist, Kriegsminister 1905/12, Schatzkanzler 1912/15
⋄ plante Sturz von Campbell-Bannerman
⋄ Neuordnung des Heeres
Alfred Milner, Viscount of St. James *1854 (Gießen) †1925, Balliol College,
Vertrauter von Rhodes, Gouverneur der Kapkolonie, Hochkommissar für Südafrika 1897/1901, Kolonialminister 1919/21
Mitglied im Kriegskabinett 1916/19
Viscount Northcliffe (alias Alfred Harmsworth) *18__ †1922,
Eigentümer der Massenzeitungen Daily Mail und Evening News,
ab 1908 auch der Times,
⋄ Chamberlain: glücklicherweise wird er Balfour unterstützen, was Balfour auch sagen wird. [ 5.1]
Lord Arthur Ponsonby of Shulbrede *18__ †19__, Eton u. Balliol, liberaler Abgeordneter,
ab 1930 im House of Lords,
Kriegsgegner
Cecil John Rhodes *1853 †1902,
Mitglied im Kronrat,
British South Africa Company, 1890/96 Premierminister der Kapkolonie,
⋄ erwarb im Süden Afrikas Diamantfelder und Goldminen
⋄ Gründer der De Beers Compagnie
⋄ gründete die Rhodes Scholarships
⋄ veranlaßte die Besitznahme des Betschuanalandes und des nach ihm benannten Rhodesiens (Simbabwe)
⋄ setzte Alfred Milner als Treuhänder ein empfahl ihn als Nachfolger.
Lord Rosebery alias Archibald Primrose alias Lord Dalmeny *1847 †19__,
1886 u. 1892/94 Außenminister, 1894/95 Premierminister
Liberaler Imperialist,
Sir Donald Mackenzie Wallace, Journalist,
Times (Leiter der Auswärtige Abteilung)
verbreitete Anekdoten, die den Deutschen Kaiser lächerlich oder gefährlich darstellten
[ 6]
Clark [ 7]: Die Krüger-Depesche wie sie später bekannt wurde, wünschte dem Präsidenten ein frohes neues Jahr und gratulierte ihm dazu, dass er »ohne an die Hülfe [sic!] befreundeter Mächte zu appellieren [
] die Unabhängigkeit des Landes gegen Angriffe von außen« verteidigen konnte.
Farrer [ 8]: Aber leider verlor der Kaiser die Gunst, die er sich in England erworben hatte, in gleichem Maße im eigenen Lande. Man war dort entrüstet, daß er seinen Aufenthalt [anl. der sterbenden Königin Victoria 1901] so lange ausgedehnt und dem [im Burenkrieg] siegreichen Lord Roberts den schwarzen Adlerorden verliehen hatte.
Am 1. August 1914 sandte Iswolski ein Telegramm aus Paris nach
Sankt Petersburg:
»Frankreichs Kriegsminister, in herzlicher und bester Laune, informierte mich, dass die Regierung sich verbindlich zum Krieg entschieden habe. Er bat mich, der Hoffnung des französischen Generalstabs
Ausdruck zu verleihen, dass alle Bemühungen gegen Deutschland
gerichtet sein werden
«
Fast 24 Stunden bevor Deutschland die Generalmobilmachung verkündete und Russland den Krieg erklärte, hatte sich Frankreichs Regierung verbindlich zum Krieg entschieden [ 9]
»Den König [Edward VII.] bezeichnete man im Jahre 1901 als einem Bündnis zugeneigt. Er hatte am 19. April dieses Jahres Eckhardstein versichert, daß er seit Jahren die größte Sympathie für Deutschland hege, und daß er Deutschland und England als natürliche Bundesgenossen betrachte, weil er der Ansicht sei, sie könnten gemeinschaftlich die ganze Welt in Ordnung halten und dadurch einen bleibenden Frieden sichern. Deutschland stände es frei, sich so viele Kolonien für seine wirtschaftliche Ausdehnung anzueignen, als es brauche, die Welt biete genug Raum für beide. Er hätte immer versucht, das große Mißtrauen, welches einige seiner Minister, besonders Lord Salisbury, gegen den Kaiser und den Grafen Bülow empfunden hätten, zu beseitigen. Dagegen könne er nicht immerfort gegen die stets widerkehrenden seltsamen Einfälle des Kaisers und gegen die Drohungen und Anwürfe des Flottenvereins und seiner Organe ankämpfen. Sogar eine englich-deutsch-japanische Verbindung oder eine englisch-japanische Verbindung mit dem Dreibund wurde damals erwogen.« [10]
Austen Chamberlain am 23. Juni 1908 in Beurteilung seines Gespräches mit Metternich, dt. Botschafter in London 1901/12, hält den Zustand der öffentlichen Meinung in Deutschland für höchst gefährlich [...]
nicht daß sie einen Ausbruch zur Zeit ankündige, denn Deutschland ist darauf nicht vorbereitet, und überdies halte ich den Kaiser für friedliebend; aber daß sie dazu führt, den Zusammenstoß eines Tages unvermeidbar zu machen. [11]
Austen Chamberlain notierte am 12.10.1911 [*]:
Während der Verhandlungen wegen des Eisenbahnerstreiks kamen Asquith, Haldane, Churchill und Lloyd George mit den Eisenbahnervertretern zusammen und zeigte ihnen ein Telegramm der französischen Regierung, das besagte, die Forderungen Deutschlands seien untragbar, die deutsche Regierung verhalte sich höchst drohend. Die Franzosen seien bereit, dem unter einer Bedingung Widerstand zu leisten. Werde die nicht angenommen, so müßten sie nachgeben. Sie lautete, daß Englandsofort (binnen zehn oder vierzehn Tagen) seine ganze Expeditionsmacht (hundertsechzigtausend Mann?) senden solle, um den französischen linken Flügel zu verlängern. Unsere Regierung stimmte dem zu.
Austen Chamberlain am 08.02.1922 im House of Commons [*]:
We found ourselves on a certain Monday listening to a speach of Lord Grey at this box which brought us face to face with war and upon which followed our declaration. That was the first public notification to the country, or to anyone by the Government of the day, of the position of the British Government and of the obligations which it had assumed.
Was the House of Commons free to decide? Relying upon the arrangements made between the two Governments, the French coast was undefended I am not speaking of Belgium, but of France. There had been the closest negotiations and arrangements between our two Governments and our two staffs. There was not a word on paper binding this country, but in honour it was bound as it had never been bound before I do not say wrongfully; I think rightly.
Mr. T.P.O'Connor: It should not have been secret.
Mr. Chamberlain: I agree. That is my whole point, and I am coming to it. Can we ever be indifferent to the French frontier or to the fortunes of France? A friendly Power in possession of the Channel ports is a British interest, treaty or no treaty.
Suppose that engagement had been made publicly in the light of the day. Suppose it had been laid before this House and aproved by the House, might not the events of those August days have been different?
If we had that, if our obligation had been known and definite, it is at least possible, and I think it is probable, that war would have been avoided in 1914.
Der französische Marschall Joffre bei der Pariser Kommission im Juli 1919 [*]:
The intervention of England in the war had been anticipated. A military convention existed with England which could not be divulged as it bore a secret character. We relied upon six English divisions and upon the assistance of the Belgians.
Farrer:Auf unsere Beziehungen zu Deutschland übten die Neuwahlen [1910] den größten und verhängnisvollsten Einfluß aus. Der unionistische Notschrei nach einer größeren Flotte und der allgemeinen Wehrpflicht hing von dem Grade ab, in welchem man die Invasionspanik aufrechterhalten oder vermehren konnte, und infolgedessen wurde die Panik das Leitmotiv der Wahlen. Balfour, als dem unionistischen Führer, lag es ob, der Dirigent dieses Chaos der Panik zu sein,...
[...]
Man erzählte sich, daß ungenannte aber einflußreiche deutsche Persönlichkeiten gefragt hätten: Glauben Sie denn, daß wir Großbritannien je gestatten würden, die Tarifreform anzunehmen?, und bei solcher Anmaßung wäre auch Balfours Blut bis zum Siedepunkt aufgewallt.
Diese Rede zog Lloyd George am 7. Januar ins Lächerliche; er erklärte, solcher Notstand sei das letzte Hilfsmittel eines verzweifelten Mannes, und rügt die Reizung des englischen Volkes als ein gefährliches Wagnis für den Frieden Europas.
[...]
Robert Blatchfords beuruhigende Briefe an die Daily Mail, welche als Flugschrift unter dem Titel England und Deutschland nachgedruckt wurden, fanden für einen Penny reißenden Absatz. Der einzige erlösende Zug dieser Wahlkampagne lag für Deutschland darin, daß alles was unter liberaler Flagge segelte, sich von dem Eindruck des Schreckbildes aus Deutschland frei machte. Die Tatsache aber, daß die französische Presse leidenschaftlich Partei für die Unionisten ergriff, wurde als ein Zeichen der Wiederbelebung der anti-deutschen Politik Delcassés betrachtet. [12]
[ 1] Karo, Georg, Fußnote in seiner Einleitung
zu Farrer, J. A. Europäische Politik unter Eduard VII, München 1925, S. XV
[ 2] Clark, Christopher, Die Schlafwandler, München 2013, S. 218f
[ 3] ebd., S. 266 u. 268
[ 4] ebd., S. 219
[ 5] ebd., S. 268
[ 5.1] Chamberlain, Sir Austen, Englische Politik, Essen 1938, S. 300
[*] Chamberlain, Sir Austen, a.a.O., S. 348f
[ 6] Karo, Georg, a.a.O., S. XII
[ 7] Clark, Christopher, a.a.O., S. 201
[ 8] Farrer, J. A. Europäische Politik unter Eduard VII, München 1925, S. 15
[ 9] Fay, Origins of World War, Bd. II, S. 531; zit. nach Docherty/Macgregor, Verborgene Geschichte, Rottenburg 2013, S. 359
[10] Farrer, J. A. Europäische Politik unter Eduard VII, München 1925, S. 27
[11] Chamberlain, Sir Austen, Englische Politik, Essen 1938, S. 575
[12] Farrer, J. A. Europäische Politik unter Eduard VII, München 1925, S. 307f