Fahrverbot für Motorräder und Tönnies.

Der Bundesrat hat sich eine neue Minderheit auserkoren, die er mit einem Maßregelkatalog ausgrenzen möchte. Dazu gehört u.a. auch ein Fahrverbot für Motorräder am Wochenende. Der einzig verbliebene Motorradhersteller in Deutschland, BMW, muß dann wohl die Zahlen des angekündigten Stellenabbaus (6000 direkt angestellte und 10 000 Werksvertragler oder Leiharbeiten) nach oben korrigieren, wenn der Bundesrat mit seiner Entschließung erfolgreich sein sollte.

Man kann nicht nur Dummheit als Anlaß nennen die Nutzung eines im Vergleich zum PKW umweltfreundlichen, da verbrauchsarmen, resourcensparenden und parkflächenfreundlichen Transportmittels einschränken zu wollen.

Es war, ist und bleibt ein beliebtes Mittel der modernen Politik vom hohen, moralischen Roß herab Minderheiten der Gesellschaft zu diskriminieren, um sich die Wählerstimmen der Moral verpflichteten Mehrheit versichern zu können. Das ist grüne Politik. Auch Milliadäre werden geschlachtet, Herr Tönnies, wenn die moralische Keule dazu verhilft, Marktanteile zu ergattern.

Spalte und herrsche dank der Moral, in der Politik? Die Politik schafft Feindbilder unsere Unzufriedenheit mit den persönlichen Lebensumständen auf andere zu projezieren und verhilft uns so dazu, unsere Dummheit zu konservieren, damit Politik ein Argument hat, die Ausweitung demokratischer Bürgerrechte abzulehnen.

Das funktioniert solange, solange es keine Partei wagt, durch ihre Leistungen für das Gesamtwohl unseres Staates zu überzeugen und statt Nebelkerzen zu schmeißen für Klarheit und Transparenz in der Politik sorgt.

Wer die Gesellschaft spaltet und sich über soziale und ethnische Segregation beschwert sollte darin einen Anlaß sehen, die eigene seelische Befindlichkeit zu hinterfragen.

1. Nachtrag
Verkehrsminister Scheuer (CSU) lehnt die Pläne des rot-grün dominierten Bundesrates ab.

2. Nachtrag
Im Allgäu wurden 37 Motorräder überprüft, 5 hatten abgefahrene Reifen und 3 waren zu laut. >>Vorwiegend ausländische Motorradfahrer gingen der Bayrischen Polizei ins Netz<<, so der BR. Bliebe nach Adam Riese 1 deutscher Motorradfahrer dessen Motorrad zu laut gewesen wäre. Man muß nicht einmal davon ausgehen, daß nicht jedes Motorrad überprüft wurde um zu erkennen, daß das in den Köpfen einiger Menschen herrschende Bild von Motorradfahrern wenig mit der Realität zu tun hat. Der Verdacht, es handele sich um Phantasten, die im Bundesrat die gewiss bedrohte Welt (Wirtschaft, Frieden und Umwelt sei genannt) dort zu retten suchen, wo sie nicht bedroht ist, drängt sich einem auf.

Tönnies oder?

Es gibt Parlamente, die Gesetze zu verabschieden haben, es gibt Ämter die die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben überwachen sollen, es gibt Unternehmensverbände, die ihren Mitgliedern Leitlinien vernünftigen Wirtschaftens liefern sollten, es gibt Gewerkschaften, die die Anliegen der Arbeitnehmer vertreten sollten, es gibt die Qualitätsmedien, die auf Mißstände aufmerksam machen sollten, es gibt Berufsgenossenschaften, Gesundheitsämter und mehr… als Alibi oder aus Tradition?

Es ist nicht nur so, daß diese Einrichtungen im Fall Tönnies (und nicht nur dort) versagt haben. Die Versager blasen auch noch zur Jagd auf Tönnies und erkennen nicht einmal die darin liegende Schäbigkeit ihres Verhaltens. In der freien Marktwirtschaft wird getreten, wer am Boden liegt. Nicht die staatlichen und gesellschaftlichen Einrichtungen haben die lange geduldeten Praktiken Tönnies zur Diskussion gestellt, es war ein Virus. Vielen Dank Corona.

Besser als Nachtreten ist Nachdenken.

All jene, die es immer noch nicht gelernt haben, daß sie als Politiker, Gewerkschafter, Verbandsmitglieder, Beamte oder Journalisten alles dafür getan haben, Tönnies die Bahn zu ebnen, schelten heute, sofern es ihrem politischen Dogma entspricht, den Verbraucher, der nicht bereit sei, für Fleisch mehr Geld auf die Theke zu legen. Wo meine Damen und Herren, soll denn das Geld herkommen, wenn ihr Konstruktionen wie Leiharbeit und Werkverträge mit Sub-Sub-Sub-Unternehmen zulaßt, damit das Lohnniveau gesenkt werden kann?

Wir können unser Land nur durch eine einzige Politik wettbewerbsfähig halten und zwar durch Investitionen in die Arbeitskraft (auch – und zwar notwendigerweise – in die von Managern und Politikern), d.h. Heranbildung selbstbewußter, wissbegieriger und mutiger Menschen.