Deutschland verspielt seine Zukunft.

Die deutsche Bundesregierung und die Landesregierung NRW lehnen ein Engagement zum Erhalt von Thyssen-Krupp ab (vgl. Handelblatt vom 14.12.).

Thyssen-Krupp produziert Stahl, das weiß man. Thyssen-Krupp produziert guten Stahl.
Das wissen schon weniger. Thyssen-Krupp und die deutschen Autobauer sind ein eingespieltes Team, was das Blech und die daraus geformten neuen Produkte anbelangt. Auch das ist augenfällig.

All das ist es nicht, was diesen Konzern für unser Land so wertvoll macht. Thyssen-Krupp beherrscht eine Technologie und besitzt Unternehmen, die im Verbund mit den Energieversorgern, die Anlagen aufzubauen vermögen, die Erzeugung von und die Versorgung mit Wasserstoff entscheidend voranzubringen. Darüberhinaus liegt hier die Basis zur Entwicklung synthetischer Kraftstoffe.

Kurz: Thyssen-Krupp bietet Forschung und Wissenschaft die materielle Basis, damit wir in der Entwicklung umweltfreundlicher Energieträger nicht Anschluss verlieren. Hier geht es nicht um nationales Prestige, sondern um die Arbeitsplätze der Zukunft.

Wasserstoff ist künftig der Energieträger zur Stahlherstellung. Die britische Stahlindustrie ist sich der Unterstützung ihrer Regierung sicher. Frankreich sponsert ihre Wasserstoffproduktion mit Milliardenbeträgen.

CO2 ist ein Abfallprodukt der Stahlindustrie. Die hier anfallenden großen Mengen an CO2 erlauben ein wirtschaftliches Verfahren, dem Wasserstoff den nötigen Kohlenstoff beizubringen, um so letztlich einen synthetischen Kraftstoff zu gewinnen.

Im Gegensatz zur Lufthansa, den Banken und TUI, denen Milliarden an Steuergeldern in den Rachen geworfen wurde, ohne hierdurch auch nur einen einzigen, unsere Zukunft sichernden Schritt in Wissenschaft und Forschung nach vorne machen zu können, ist für Thyssen-Krupp kein Geld da.

Am Ende der im Gange befindlichen Restrukturierung der Weltwirtschaft werden wir uns in der 3. Welt wiederfinden.

Thyssenkrupp

Der Nachteil des Standortes Deutschland ist die Sabotage einer jeden Industriepolitik. Industriepolitik der USA bedeutet: America first. Industriepolitik in China bedeutet, der Staat stellt die Weichen. Blackrock, Cerberos und Vanguard betreiben ihre Industriepolitik im Eigeninteresse.

Thyssenkrupp produziert u.a. den Stahl, den die deutsche Automobilindustrie benötigt und ist von daher ein Eckstein unserer Wirtschaft. Die Umstellung der energieaufwendigen Stahlherstellung ist im Hinblick auf den ökologischen Umbau der Wirtschaft eine Kernkompetenz. Diese Technik zu entwickeln bedeutet die Grundlage in unserem Land für eine zukunftsträchtige Industrie zu legen.

Das deutsche Kapital spekuliert mit den Staatshilfen für die Urlaubsbranche und hat noch nicht verstanden, daß die Urlaubsdestinationen der Arbeitslosen (15% der bayrischen Beschäftigten beziehen noch Kurzarbeitergeld) zu Fuß erreichbar sein müssen.

Thyssenkrupp wurde dank der Industriepolitik der anderen aus wichtigen Märkten verdrängt und von der deutschen Politik im Stich gelassen. Nun beabsichtigt die britische Liberty Steel (Eigentümer ist der brit. Milliardär Sanjeev Gupta ) Thyssenkrupp zu übernehmen. Wer Phantasie hat, kann sich vorstellen, warum Großbritannien mehr in der EU ausrichten kann, wenn es nicht in der EU ist.

Zu erwähnen wäre, daß Liberty Steel natürlich in China und Rußland vertreten ist, trotz Giftanschlag und Menschenrechte.

Wenn sich in Deutschland keine Investoren für die Erhaltung des Industriestandortes finden, dann muß als letzter Anker der Staat und das Land NRW herhalten. Laschet sollte nicht nur Lippenbekenntnisse abgeben sondern einmal in seinem Leben für etwas kämpfen.

Stahl kochen mit Wasserstoff. Es geht um den Stahl aber auch um die Entwicklung dieser Technologie, um den Erhalt des Wissenschaftsstandortes Deutschland.