Eine Welt.

Die Vorstellung von der „Einen Welt“, zu deren Erhalt eine Ethik notwendig sei, die nur verordnet werden kann, da die vorherrschende Moral (die gelebte Ethik) ihr widerspricht, ist in sich widersprüchlich und daher ein Irrsinn, ein gepflegter Irrsinn, da sich in anderer Weise der Einzug von Wissenschaft und Künstlicher Intelligenz in die Politik des Staates nicht vermitteln läßt.

Als die Wissenschaft die Regeln entdeckte, nach welchen die eine oder andere Eigenschaft einer Pflanze, eines Tieres vererbt wird, hatte das als Resultat die unübertroffene Hosteiner Kuh aber auch den hüftlahmen Deutschen Schäferhund, Rassismus, Sklaverei und Herrenmenschentum. Die Freiheit der Wissenschaft wäre die Voraussetzung für eine moralisch integre Wissenschaft. So aber, da die Universitäten ihre Existenz nur bewahren können, indem sie ihre Seele verkaufen, an China wie man liest, an die Pharmaindustrie, an Google und Co. ist das wissenschaftliche Ergebnis Zwecken untergeordnet, die sich Moral wie Ethik entziehen.
Der Moral deshalb, weil die meisten Menschen die wissenschaftliche Begründungen nicht nachvollziehen können. Unserem katastrophalen Bildungssystem sei Dank.
Ethisch, weil den Menschen Vorgaben mit dem Hinweis auf deren Wissenschaftlichkeit aufgenötigt werden.

Die Freiheit der Wissenschaft findet auch dort nicht statt, wo die Ethik selbst ihr Gegenstand ist.

Wir sanktionieren fremde Staaten, Unternehmen usw. weil sie gegen die durch uns vorgegebene Ethik verstoßen haben. So wie wir gegen die moralischen Verfehlungen konkurrierender Unternehmen und Staaten vorgehen, so gehen wir gegen die moralischen Verfehlungen begangen durch Menschen, Gruppen in unserer Gesellschaft bei uns vor. Eine Rufmordkampagne löst die nächste ab.

Nun sollte man bei aller Mystik nicht vergessen, daß sich durch die sich moralisch rechtfertigenden Hetzjagden, Vorteile für die eine oder andere Partei, Unternehmung, den einen oder anderen Staatsapparat ergeben.

Diese Politik der westlichen Welt, mit ihren westlichen Werten vergißt, daß es dem Westen immer weniger gelingt, diese Werte selbst zu verkörpern bzw. ihre vermeintlichen Vorteile anderen Kulturen mitzuteilen. Der Ansatz, es genüge die eine oder andere Lichtgestalt wie Juan Guaido, Joshua Wong, Maria Kolesnikowa, Alexei Nawalny, Greta Thunberg in Szene zu setzen, um, flankiert von Empörungsmaschinerie, Aktionärsversammlungen, Embargopolitik und Militärparaden, ein besseres Regierungssystem zu installieren, funktioniert nicht, weil diese Lichtgestalten dieselben nicht sind, sondern Menschen, d.h. mit Fehlern behaftet.

Mächtigere Privatpersonen, die in der Gemeinde des weltweiten Kapitals ihr geistiges Zuhause gefunden haben und sich durch den Sturz der einen oder anderen nationalen Hierarchie einen Machtzugewinn erhoffen, sind physisch dennoch in ihrer nationalen Kultur verankert.

Es ist möglich, daß Assange in England zugrunde geht und es ist möglich daß Nawalny in Rußland zugrunde geht. Es bedarf also des Staates seine Dissidenten zu sanktionieren. Das ist der wunde Punkt der Theorie von der „Einen Welt“. Die Ausformung eines jeden Staates basiert auf einer nationalen Kultur. In England, den USA, China, Indien oder Rußland gelten ähnliche Ideale, doch unterschiedliche kulturelle Bedingungen ohne deren Kenntnis und Berücksichtigung können diese Ideale nicht in eine Form überführt werden, in denen sie ihre, die Weltgemeinschaft fördernde, Funktion erfüllen können.

Eine Außenpolitik die sich auf die permanente Zurechtweisung eines fremden Staates beschränkt, muß sich nicht wundern, wenn der gemaßregelte Staat das Gespräch abbricht, uns mit unserem diplomatischen Unvermögen alleine läßt, auf daß aus Russen Untermenschen werden oder aus Deutschen Hunnen.

Wir sind nicht die Experten was die US-amerikanische, chinesische, russische, indische oder ugandische Kulturen anbelangt. Die Geschicke anderer Staaten durch Interventionen zu beeinflussen ist auf Dauer unproduktiv. Unseren Staat, unsere Gesellschaft hingegen in einer Weise zu Demokratie und Wohlstand in einem funktionierenden Ökosystem zu entwickeln, die anderen ein Vorbild sein kann, ist für andere wie für uns wirklich alternativlos.

Es ist die Gesellschaft einer jeden Kultur selbst Mittel, Zweck und Ziel ihrer Entfaltung, ein Prozeß der nicht durch noch so kluge Einzelwesen, Kader oder Kollegien gestaltbar ist.