Tönnies oder?

Es gibt Parlamente, die Gesetze zu verabschieden haben, es gibt Ämter die die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben überwachen sollen, es gibt Unternehmensverbände, die ihren Mitgliedern Leitlinien vernünftigen Wirtschaftens liefern sollten, es gibt Gewerkschaften, die die Anliegen der Arbeitnehmer vertreten sollten, es gibt die Qualitätsmedien, die auf Mißstände aufmerksam machen sollten, es gibt Berufsgenossenschaften, Gesundheitsämter und mehr… als Alibi oder aus Tradition?

Es ist nicht nur so, daß diese Einrichtungen im Fall Tönnies (und nicht nur dort) versagt haben. Die Versager blasen auch noch zur Jagd auf Tönnies und erkennen nicht einmal die darin liegende Schäbigkeit ihres Verhaltens. In der freien Marktwirtschaft wird getreten, wer am Boden liegt. Nicht die staatlichen und gesellschaftlichen Einrichtungen haben die lange geduldeten Praktiken Tönnies zur Diskussion gestellt, es war ein Virus. Vielen Dank Corona.

Besser als Nachtreten ist Nachdenken.

All jene, die es immer noch nicht gelernt haben, daß sie als Politiker, Gewerkschafter, Verbandsmitglieder, Beamte oder Journalisten alles dafür getan haben, Tönnies die Bahn zu ebnen, schelten heute, sofern es ihrem politischen Dogma entspricht, den Verbraucher, der nicht bereit sei, für Fleisch mehr Geld auf die Theke zu legen. Wo meine Damen und Herren, soll denn das Geld herkommen, wenn ihr Konstruktionen wie Leiharbeit und Werkverträge mit Sub-Sub-Sub-Unternehmen zulaßt, damit das Lohnniveau gesenkt werden kann?

Wir können unser Land nur durch eine einzige Politik wettbewerbsfähig halten und zwar durch Investitionen in die Arbeitskraft (auch – und zwar notwendigerweise – in die von Managern und Politikern), d.h. Heranbildung selbstbewußter, wissbegieriger und mutiger Menschen.