Der Virus, der Michel und die Psyche.

Maßvolles Handeln in der Bekämpfung der Corona-Epidemie ist geraten. Das höchste Gut unserer Gesellschaft ist die Aufrechterhaltung der demokratischen Rechte. Wir erleben Konflikte zwischen Regierung und Parlament. Das Parlament fordert eine Mitsprache hinsichtlich der zu treffenden Maßnahmen. M. E. ist dies kontraproduktiv, da mit unserem föderalen System nicht vereinbar. Deutschland ist kein zentralistisch geführter Staat und soll es auch nicht werden.

Wir erleben Konflikte zwischen der Justiz und den Regierungen. Demonstrationsverbote, Beherbergungsverbote und die eine oder andere wirre Maskenverodnung wurden per Gerichtsentscheid gekippt.

Wir erleben Konflikte zwischen Politik und großen Teilen der Bevölkerung denen die Einschränkungen ihrer Rechte zu weit gehen.

Wir sehen eine zu Recht geführte heftiger Kritik an den Medien, die es verlernt haben, den vielen unterschiedlichen Stimmen in der Bevölkerung einen Raum zu geben.

Die Stärke unseres Landes gründet in seiner Fähigkeit, diese Konflikte und widerstreitenden Ansichten als die Quelle zu betrachten, die erfolgreiches Regieren erst ermöglicht. Die Anzahl der Blickwinkel unter denen ein Sachverhalt betrachtet werden kann, liefert das Maß für den Grad in dem wir ihn zu erkennen vermögen.

Es ist nicht die Wissenschaft alleine, es ist nicht die Regierung und nicht das Parlament, es ist der Staat, seine Behörden, es sind die Mediziner und die Menschen, deren Erfahrungen und Stimme zählen.

Unser ineffizientes Gesundheitssystem erweist sich mit seinen vielen Hausärzten als der Segen, den sich klinikzentrierte Gesundheitssysteme nicht mehr leisten wollen. Wir leisten uns trotz des eingesetzten Abbaues immer noch eine relativ hohe Anzahl verfügbarer Krankenhausbetten.

Neben der Schulmedizin, die Tabletten und Therapien an den Kunden bringt, gibt es Ärzte und Scharlatane, die anders ausgerichtet Erfahrungen bewahren und weiterentwickeln, von denen die eine oder andere zu erhalten sinnvoll ist.

Die Gesundheitsämter tun ihr bestes und sollte man sie von dem Irrsinn befreien, gegen einzelne Maskenverweigerer gerichtlich vorgehen zu müssen, fänden sie auch wieder die Zeit, ihrer eigentlichen Bestimmung nachzukommen.

Das Testen von Menschen, ob sie infiziert sind oder nicht sollte und wird hoffentlich zu der Erkenntnis geführt haben, bei welchen Anlässen getestet wird und bei welchen nicht aber auch dazu, die Umstände herausgefunden zu haben, die ein besseres Verständnis der Ausbreitung des Viruses erlauben.

Unser Reichtum liegt nicht im Geld, sondern im Vermögen das uns unsere Geschichte in guten und in schlechten Zeiten hinterlassen hat.

Letztendlich ist die Gattung Mensch durch den Virus nicht bedroht. Menschen verfügen über Verstand, von dem Gebrauch zu machen angeraten ist, auch über ein Immunsystem, das sich mehrere tausend Jahre hinweg entwickelt hat. Bedroht ist der Mensch, der das vergißt. Bedroht ist der Mensch, der nicht unter Menschen sein darf, sprich: Eine starke Psyche sorgt für ein starkes Immunsystem.

Der maskierte Rassist.

Eine Spaltung der Gesellschaft nach Hautfarbe ist verpönt. Eine Spaltung der Gesellschaft nach Einkommen modern und eine Spaltung der Gesellschaft in gut und böse verlangt. Den Bösen bleiben wir fern.

Wer böse ist bestimmt die halbstündliche Mediendusche, nicht zuletzt auch, weil die Politik ihr Geschäft verlernt hat. Man sieht sich gefährdet dadurch, daß sich der Bürger eigene Ansichten gönnt. Normal ist das nicht.

Normal ist aber das, was am Ende ausgemittelt wird aus einer Bandbreite vieler zum großen oder kleinen Teil richtiger oder sogar komplett falscher Ansichten. Doch dürfen diese Ansichten nicht unreflektiert in eigenen Universen ihr Dasein fristen, ihre Vertreter müssen zueinander in einen Dialog treten!

Er gehört nicht zur Community und liegt deshalb falsch, meinte einst ein Virologe. Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sang Franz Josef Degenhardt. Die Spaltung der Gesellschaft erfolgt nicht mehr nach biologischen Kriterien. Frauen dürfen Kriegsminister werden. Die Spaltung der Gesellschaft erfolgt aber weiterhin!

Sie erfolgt, weil wir in uns selbst gespalten sind. Wir sind böse! Wir sind auch gut. Böse wollen wir nicht sein und noch bevor wir den eigenen Verschwörungstheoretiker in uns erkannt haben, beginnen wir ihn im öffentlichen Diskurs auszurotten, jedenfalls solange wir unseren Arbeitsplatz im Sender, bei der Zeitung etc. nicht verloren haben. Werden wir entlassen, so nicht aufgrund unserer hochglanzpolierten Einfältigkeit sondern, weil man sich gegen uns verschworen hat.

Am Anfang war, ist und bleibt das Wort. Das erst ermöglicht einen Prozeß an dessen Ende wir uns Mensch schimpfen können. Wo Worte nicht reichen, weil der Gatte mit dem Smartphone spielt, fliegen Töpfe und in der Gesellschaft Projektile.

Ein Chor klingt harmonisch, in seiner Vielstimmigkeit. Ohne Üben geht das nicht und der gute Dirigent Knappertsbusch meinte einst: Die Musiker in diesem Orchester wissen wie man spielt.

Weil sie geübt haben, denke ich, und zwar auch ohne Knappertsbusch. D. h. das Wort bedarf eines oder zweier Ohren und das was dazwischen liegt, wird sich bilden. Reflektion und Empathie wurden nicht ohne Grund von der Natur ins Spiel gebracht.

Zuhören statt denunzieren, auch wenn mir letzteres mehr Freude bereitet. Erst wenn wir in der Schule dem Schüler seinen Mut honorieren, auf die Frage nach 2 + 2 mit 5 zu antworten, wird der sich mit Freude daran erinnern, wie er das Rechnen gelernt hat. Er wird aber bei künftigen Fragen nicht die Klappe halten und auch dann auf die Strasse gehen, wenn ihm das richtige Ergebnis, die richtige Haltung nicht vorgegeben wurde, damit die Politik, falls sie ein dringliches Thema vernachlässigt hat, vom Souverän lernen kann.

Mutige Kinder kommen auf die Welt und rufen dadurch auch unbegründete Ängst ihrer Eltern hervor, die nichts unversucht lassen, mit lieben Worten und anderen Anzeizen, diese Ängste auf die Kinder zu übertragen. Wer hat Angst vorm schwazen Mann? Wer hat Angst vor der gelben Gefahr? Wer hat Angst vor Wladimir Putin? Belohnt wird, wer nicht mit Putin spricht, mit den Chinesen handelt. Sanktioniert wird, wer die Schranken zwischen den Völkern abbaut.

Angst davor durch Sanktionen die Weltwirtschaft abzuwürgen haben wir nicht.

Die Krise hat erst begonnen.

Die Geschichte der Corona-Krise begann, mit der Verharmlosung der Auswirkungen des Viruses durch Jens Spahn und des Robert Koch Institutes. In welchem Maße das Virus um sich gegriffen hat, läßt sich mangels fundierter Zahlen nicht feststellen. Feststellbar wurde, daß das kostenoptimierte Gesundheitssystem angesichts der Opfer des Viruses an seine Grenzen stößt. Das hat etwas damit zu tun, daß Krankenhäuser in kommunaler bzw. öffentlicher zugunsten jener in privater Trägerschaft abgeschafft wurden. Es hat etwas damit zu tun, daß die Medikamente kostengünstig in China und Indien hergestellt werden und bei uns zur Mangelware werden. Abhilfe soll laut Maas eine europaweite App liefern, die unsere privaten Kontakte darauf hin überprüfen, ob wir mit jemandem zusammenwaren, der mit dem Corona-Virus infiziert ist. Abhilfe soll ein Zertifikat von Bill Gates schaffen, daß es nur denjenigen, die es erhalten haben, ermöglicht Flugreisen zu unternehmen.

Ein Staat bedarf zur Sicherung seiner Existenz einer Infrastruktur, im Gesundheits- bzw. Sozialwesen, im Verkehrs- u. Nachrichtenwesen, der Energieversorgung, im Justizwesen sowie der inneren und äußeren Sicherheit. Hier wurden in den fetten Jahren Pfründe verscherbelt. Dieser Staat bedarf dieser Infrastruktur um seine Bürger zu schützen aber auch um die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die keinen unbegrenzten Zugang zum internationalen Kapitalfluß haben, am Leben und am Arbeiten zu halten. Diese Unternehmen bedürfen Kredite, die zu 100% von den Ländern oder vom Staat abgesichert sind. Eine Pleitewelle dieser Unternehmen reist die spekulationsfernen Sparkassen und Genossenschaftsbanken in den Ruin. Wer wie so oft, Einzelfälle des Mißbrauchs anführt, um diesen notwendigen Geldzufluß zu stoppen, spielt mit der Existenz des Staates.

Die Grundrechte in unserem Land sind teilweise außer Kraft gesetzt. Gerichte – nicht die Politiker – sorgten dafür, daß das Demonstrationsrecht, wenn auch unter starken Auflagen, erhalten blieb. Das Grundgesetz ist zwar geschwächt aber am Leben. Einschränkungen müssen sein und sie werden über Jahre hinaus gelten. Die Akzeptanz dieser Einschränkungen ist abhängig, vom Wohlstand der Menschen und hier vor allem des Mittelstandes. Auch wenn die grün geführte Regierung in Baden-Württemberg das Polizeirecht verschärft hat, wird ein noch so starker Polizeieinsatz nichts nutzen, wenn die Versorgung der Menschen mit dem Notwendigsten zusammenbricht. Die Globalisierung macht es möglich.

Dem Pluralismus in der Bundesrepublik Deutschland verdanken wir es, lokal angemessene Maßnahmen zum Schutz der Gesellschaft vornehmen zu können. Es ist ein Witz, wenn Schulen in Gebieten mit einer hohen Infektionsrate geöffnet werden müssen, nur weil sich im überwiegenden Teil des Landes die Situation anders darstellt. Stümperhaftes Handeln in einem Bundesland kann durch das Beispiel, das andere Bundesländer geben, korrigiert werden. Zentrales Stümpertum nicht. Nicht zuletzt wählten die Väter des Grundgesetzes den föderalen Staatsaufbau zum Schutz der Demokratie.

Die öffentliche Hand kann jetzt dafür sorgen, daß sich kleine und mittlere Unternehmen ökologisch ausrichten, d.h. nicht Wärmedämmung sondern ökologisch vertretbare Verfahren, Vernetzung und Produkte, die Einführung neuer Energieträger und damit meine ich nicht Batterien, die vom Wohl derjenigen Kinder in Afrika abhängen, die früh schon tot, die Rohstoffe zur Batteriefertigung mit blutigen Händen aus der Erde klauben.

Diese Krise beinhaltet Gefahren aber auch neue Möglichkeiten. Bewahren wir unsere breit aufgestellte Wirtschaft, lieber einen alten Leuchtturm opfern, als das kreative Potential Vieler. Bewahren wir unser Grundgesetz, den Pluralismus und den kontroversen Meinungsaustausch in den Medien.