Preußen kehrt!

1840-1871

Dem in seiner Größe wie Bescheidenheit einzigartigen Friedrich Wilhelm III. folgte mit Friedrich Wilhelm IV. ein König, dessen Streben nach religiöser Glückseligkeit und musischer Entfaltung nur von seinem Amt und den Untertanen beeinträchtigt wurde. Doch selbst das war für Preußen nicht in allen Punkten  von Nachteil.

König Friedrich Wilhelm IV. Politik behielt die von Preußen eingeschlagene Richtung, die auf die Einigung Deutschlands abzielte bei, wobei dem Ausbau der Infrastruktur eine Schlüsselfunktion zu kam. Er hatte Bevölkerung und Wirtschaft des liberalen Westen seines Staatsgebietes zu integrieren. Ihm fehlte es aber an Geld. Sein Versuch das Problem über die Einberufung des Vereinigten Landtages  zu lösen scheiterte.

1848 wurde ganz Deutschland vom Krieg (in Norditalien und Dänemark) bedroht und von  Revolutionswirren erfaßt. Weitere Kriege (Krimkrieg 1853) sollten folgen, die Startplätze für den anstehenden Imperialismus zu verteilen. Der Wettlauf um die Ressourcen dieser Erde führte zur Herausbildung eines Europas der Nationalstaaten, einer Kategorie in die der Vielvölkerstaat Österreich(-Ungarn) nicht paßte und seine Integration in einen deutschen Nationalstaat verhinderte.

Dennoch wurde Österreich nicht müde den Deutschen Bund zu reanimieren, scheiterte jedoch an seinen überzogenen Ansprüchen und an Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, der ohne Aussicht auf Erfolg die deutschen Staaten durch eine zeitgemäße Verfassung zu einen suchte und Zeit gewann. Die von Österreich aufgenötigte Frankfurter Konferenz blieb der Menschheit dank des Krieges um Schleswig-Holstein erspart.

Mit  König Wilhelm I. war der preußische Biedermeier endgültig gestorben. Ein weiteres Olmütz sollte es nicht geben. Die preußische Armee brachte nicht nur begnadete Banker hervor, sondern auch exzellente Militärs.  Ein Preuße mit Migrationshintergrund, Albrecht von Roon, besaß das Genie die fällige Erneuerung der Armee durchzusetzen, wenn auch durch Hinzuziehung Ottos Graf von Bismarck. Die Pläne zur Reorganisation stammten von Roons Schüler Prinz Friedrich Karl von Preußen.

Bismarck verstand es das preußische Heer zum Anker der deutschen Einigungsbestrebungen zu machen. Der Krieg um Schleswig-Holstein 1864 wurde Preußen aufgenötigt und der Konfliktherd gründlich beseitigt. Unter Österreichs in nichts begründetem Machtanspruch litt Deutschland seit dem Wiener Kongreß. Dank seiner neuen Armee war Preußen nicht mehr erpreßbar. Mit dem 1866 errungenen Sieg der Preußen über Österreich gewann Bismarck das Vertrauen der Liberalen, die nichts so sehr gefürchtet hatten, wie eine Allianz Preußens mit dem reaktionären Österreich.

1870 hetzten in Frankreich Monarchisten und Jesuiten aus unterschiedlichen Motiven zum Krieg gegen Preußen. Anlaß war die Kandidatur eines Großneffen Napoleon I., nämlich Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen um den Thron Spaniens. Bismarck nutzte die Gelegenheit, scheute den Krieg nicht und die siegreichen deutschen Armeen sicherten dem Land mit Elsaß-Lothringen die linksrheinischen Gebiete, die nun in deutscher Hand, den süddeutschen Staaten den Schutz vor dem Einfallen französischer Heere versprach, der notwendig war, sie für die Teilnahme am Deutschen Reich zu gewinnen.