Preußens Niederlage 1806.

Die französische Revolution.

Ende des 18. Jahrhunderts änderte sich die Weltlage zu Ungunsten Frankreichs. Friedrich II. hatte Preußen Geltung in Europa verschafft. Die polnische Teilung erfolgte ohne Frankreichs Mitwirkung und im amerikanischen Krieg gegen England ruinierte sich Frankreich vollends. Die Entwicklung der europäischen Mächte schritt voran, während Frankreichs Schulden das Land lähmte.

Die Unfähigkeit den Staat zu sanieren und die unentschiedene Politik gegenüber dem Bürgertum führte über eine Revolution, die sich das übrige Europa, aufgrund des radikalen Vorgehens gegen die Aristokratie und Kirche, zum Feind machte, zur Militärdespotie, deren erklärtes Ziel es war die verlorene Weltgeltung wieder herzustellen. Nahezu während des gesamten Umbruchs, beginnend mit der Herrschaft Ludwig XVI. über die der Republikaner bis hin zum Kaiserreich Napoleons befand sich das Land im Krieg [ 1].

Handel und Händel.

Frankreich zeigte sich im zweiten Koalitionskrieg überlegen im Friede von Lunéville (9. Februar 1801) eignet es sich die linksrheinischen Gebiete der deutschen Fürsten an und bestimmte über die territoriale Umgestaltung der deutschen Fürstentümer mit, die für ihre Gebietsverlust durch kirchlichen Besitz (Bistümer) entschädigt wurden.

Hatte Preußen sich noch unter Friedrich Wilhelm II. 1792 in den Dienst des habsburger Kaisers gestellt, um der französischen Aggression zu begegnen, dabei aber erfahren müssen, daß ihm die Lasten des Krieges aufgebürdet, die Früchte der Erfolge aber vorenthalten wurden, so baute es nun in Anlehnung an Rußland, auf eine Politik der bewaffneten Neutralität [ 2]. Eine Politik, die zunächst auch von seinem Nachfolger Friedrich Wilhelm III. betrieben wurde.

Nachdem ein durch die englische Regierung unterstützter Putschversuch in Paris gescheitert war, nutzte Napoleon die Gunst der Stunde und krönte sich am 2. Dez. 1804 zum Kaiser der Franzosen. Brav entledigte sich daraufhin Kaiser Franz II. seiner Verantwortung gegenüber Deutschland, legte die deutsche Kaiserwürde nieder, um als Franz I., Kaiser von Österreich, sein weiteres Auskommen zu finden [ 3]. Mit der Umwandlung Österreichs in ein Kaiserreich verloren das Kgr. Böhmen und für kurze Zeit auch das Kgr. Ungarn, die in Personalunion vom Kaiser in Wien regiert wurden, ihre formal existierende Eigenständigkeit. Ungarns erbitterter Widerstand führte 1867 zur k. u. k. Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Die Böhmen blieben außen vor, verärgert und die Ungarn unzufrieden. Mit der Errichtung des österreichischen Kaiserreiches schuf Kaiser Franz I. die Grundlage für den Zerfall der Habsburger Monarchie.

Die süddeutschen Fürsten ließen sich von Napoleon umgarnen: die Kurfürsten von Würtemberg, Sachsen und Bayern wurden zu Königen. Aus Herzögen wurden Großherzöge und aus Grafen Herzöge.

»Als der neue Imperator [Napoleon] mit Josephine 1804 durch die deutschen Rheingrenzländer zog, die er für Frankreich gewonnen hatte, war sein Weg eine Triumpfstraße.
Hier… sah er über die gebückten Rücken der Fürsten, Diplomaten, Magistrate, die sich mit Geschenken und Ergebnisadressen an ihn drängten und mit knechtischem Phrasenschwulst ihre Huldigungen ausschütteten. In Köln spannten sich die Bürger vor seinen Wagen.
Er hörte sich immer wieder als Cäsar und Kaiser Karl gefeiert… Die Münchner Zeitung frohlockte am Neujahrstag 1806: „Hoch lebe Napoleon, der Wiederhersteller des bayrischen Königtums!“[ 4]

1802 reiste der junge Zar Alexander I. zu seinem ersten Auslandsaufenthalt nach Memel (Kgr. Preußen). Hier verbrachte er zwei wundervolle Wochen. Der Zar und der König in Preußen entdeckten ihre Freundschaft zueinander, Gefühle, die stärker noch Königin Louise und den Kaiser Alexander I. miteinander verbanden [ 5] [A], Gefühle, die durch den Lauf der Geschichte, Intrigen und sich einschleichender Mißverständnisse auf eine harte Probe gestellt, die zum Sturz Napoleons notwendige Festigkeit aufwiesen.

General August Neidhardt v. Gneisenau:

»Auf Poesie ist die Sicherheit der Throne gegründet.«

Der 1802 abgeschlossene Freundschaftsvertrag mit Rußland war demgegenüber nur einer von unzähligen Verträgen die zu dieser Zeit besiegelt wurden, von denen nur wenigen ein längerer Bestand beschieden sein sollte [ 6].

Rußland suchte bis 1804 als neutrales Land auf diplomatischem Wege sein Auskommen mit den Franzosen zu finden, köderte Napoleon doch den Zaren damit, ihn zum Schiedsrichter im europäischen Konflikt zu machen [ 7].

Der dritte Koalitionskrieg.

Bessere Argumente hatte jedoch der brit. Premier William Pitt: Anstatt mit dem fragwürdigen Postens eines Schiedsrichters, zahlte der britische Premier mit Silber, d.h. 1 250 000 Pfund Sterling pro 100 000 Mann. Rußland sah zudem im Bündnis mit den Engländern bessere Möglichkeiten seine Interessen in Europa und am Mittelmeer verfolgen zu können. Im Frühjahr 1805 wechselte das neutrale Rußland ins englische Lager. Etwas später folgte Österreich [ 8] [ 9]. Ziel des Bündnisses war es, Napoleon Holland und die Schweiz zu entreißen.

Louis Ferdinand und Louise

Preußen blieb neutral. Für die Einnahme einer entschiedeneren Haltung gegenüber Napoleon sprachen sich sich Königin Louise und Prinz Louis Ferdinand aus.

Louis Ferdinand von Preußen besuchte mit seinem Großneffen, König Friedrich Wilhelm III. Aug. 1804 ein Manöver in Schlesien, reiste von dort zu Manövern der Österreicher in Mähren und dann weiter nach Wien und Norditalien. In seinen Briefen an König Friedrich Wilhelm III. schilderte er den Zustand der von ihm besuchten österreichischen wie französischen Heeresverbände, wobei er die österreichischen in einem besseren Licht darstellte, wie es tatsächlich der Fall hatte sein können.
Der König erwog nun doch auf Seiten Österreichs in den Krieg einzutreten [10].

Österreich fiel in Bayern ein, preschte vor, um die Russen des Triumphes, d.h. des daraus folgenden politischen Kapitals zu berauben, verkannte die Lage konsequent und sah sich einem in Eilmärschen herangeführten, kriegserfahrenen, französischen Heer von 120 000 Mann gegenüber, das Napoleon für die Landung in England in Boulogna bereitgehalten hatte. Aus den Niederlanden stießen weitere 75 000 Franzosen mit Bernadotte und Marmont an der Spitze nach Süden und auch Bayern zog mit 25 000 Mann in die Schlacht gegen Österreich [12]. Napoleon schlug die Österreicher am Inn (17. Okt.).

Am 21. Okt. 1805 verlor die franz.-spanische Flotte die Schlacht bei Trafalgar. Den Plan Großbritannien zu besetzen gab Napoleon auf. Stattdessen verlegte er sich darauf, seine Herrschaft auf dem Festland auszudehnen und gegen England eine Handelssperre zu verhängen.

Am 3. Nov. schlossen der Kaiser von Rußland und der König von Preußen ein Abkommen, demnach Preußen in Verhandlungen mit Frankreich die Forderungen der Koalition auf diplomatischem Wege durchsetzen solle und sich, im Falle eines Scheiterns, nach vierwöchiger Frist, am Krieg gegen Napoleon beteiligen werde [11].
Nach Napoleons Sieg in der Schlacht bei Austerlitz am 2. Dez. 1805 war Preußens Beitritt zum Bündnis der Engländer mit Österreich und Rußland obsolet geworden.

Im Schönbrunner Vertrag wurde die politische Landkarte Europas überarbeitet und König Friedrich Wilhelm III. überlegte, ob er diesen Vertrag ratifizieren solle.

Napoleon gedachte die Beziehungen zwischen Preußen und England zu vergiften und versprach Preußen das, bis zur franz. Besetzung 1803, vom englischen König regierte, Kfsm. Hannover. Der König von Preußen zögerte, weil er ein guter Mensch war, annektierte Hannover und bewahrte seine Unabhängigkeit [13] [B].

Als Preußen trotz heftiger Proteste des Freiherrn vom Steins den Bündnisvertrag mit Frankreich unterzeichnete, platzte dem Reichsfreiherrn der Kragen und er forderte die Entlassung der gesamten königlichen Entourage.

In einer Denkschrift [14] [15]an den König sagte er u.a. über den

  • geheimen Kabinettsrat Beyme: »…die zur Leitung der inneren Angelegenheiten notwendigen staatswirtschaftlichen Kenntnisse fehlen ihm gänzlich.«
  • geheimen Kabinettsrat Lombard: »…physisch und moralisch gelähmt und abgestumpft, seine Kenntnisse schränken sich auf französische Schöngeisterei ein.«
  • Staatsminister Graf von Haugwitz, der »…strebte nach dem Nimbus der Heiligkeit… ward Theosophe und Geisterseher und endigte mit der Teilnahme an den Gelagen des Rietz [d.h. der Gräfin Lichtenau]…«

Die Regierung Friedrich Wilhelms III. setzte sich aus Personen zusammen, die frankophil (Kabinettsrat Lombard), neutral (Haugwitz/Hardenberg) oder bereit waren, gegen die Franzosen ins Feld zu ziehen (Stein, Geheimrat J. v. Müller) [16].

Ein Kuraufenthalt in Bad Pyrmont Juni 1806 gab Königin Louise die Gelegenheit einige Fürsten und hochrangige Persönlichkeiten zu treffen. Unter ihnen befanden sich Herzog Karl Wilhelm von Braunschweig, Generalfeldmarschall des preußischen Heeres, Kurfürst Wilhem I. von Hessen-Kassel und der preußische Gouverneur von Westfalen, Generalleutnant von Blücher.

Die Entschiedenheit Blüchers, der drauf und dran gewesen war, die Provokationen und Grenzverletzungen durch Napoleons Schwager, des Großherzogs von Berg, Joachim Murat, militärisch zu begegnen – vom König jedoch im letzten Moment zurück gepfiffen wurde – mußte die Königin nachhaltig beeindruckt haben.

Die Königin begriff sich zunehmend als politische Königin, sah ihren Intellekt dem des Königs gleichwertig, blieb aber nichts desto weniger auf die Stärkung der Position des Königs wie auch ganz Preußens bedacht [17].

Louise erhob sich über den preußischen Kleinmut, wohl auch weil es keine Frage sein konnte, als Vasall zu dienen oder aus eigenem Vermögen zu leben. Mit ihre Zuversicht stärkte sie das Vertrauen der Soldaten in die eigene Kraft.

Preußen erklärt Frankreich den Krieg …

…und erleidet eine Niederlage aus der sich jene Bedingungen ergeben sollten, das Schicksal Rußlands und Preußens aneinander zu ketten, das Bündnis, dem Europa den Sturz des Bonapartismus zu verdanken hat:

Österreich und Rußland schlossen mit Napoleon einen Friedensvertrag und auch England suchte mit Frankreich sein Auskommen.

Preußen stand allein und ward genötigt seine Aufmerksamkeit nicht mehr dem im Ausland stattfindenden Schauspiel sondern seinen eigenen Interessen zu widmen.
Es machte mobil und stellte Frankreich ein Ultimatum. Frankreich sollte seine Truppen hinter den Rhein zurückziehen und seine Opposition gegen die Gründung eines Norddeutschen Bundes aufgeben [18].

Napoleon: »Der Gedanke, Preußen könne sich allein mit mir einlassen, erscheint mir so lächerlich, daß er gar nicht in Betracht gezogen zu werden verdient [19]
Deshalb bot er an, seine Truppen aus Westfalen abzuziehen, wenn Preußen die Mobilisierung aufhebe.

Am 10. Okt. 1806 rückten die Franzosen bei Saalfeld vor, die preußische Hauptarmee von ihren Versorgungsrouten abzuschneiden. Prinz Louis Ferdinand von Preußen griff mit der Avantgarde der Armee Hohenlohe in aussichtsloser Lage an, mußte zum Rückzug blasen lassen und verlor bei einem Gefecht, den Rückzug seiner Soldaten zu deckend, sein Leben [20] [21].

Bei Jena und Auerstedt erwartete das untereinander zerstrittene Heer von Preußen und Sachsen die Franzosen. Die kühnen Pläne Scharnhorsts wurden von Oberst Massenbach ignoriert. Der anwesende König überläßt dem Herzog von Braunschweig und dem Fürsten von Hohenlohe das Kommando.
Mangelnde Aufklärung, zögerliches Handeln und eine antiquierte Gefechtsführung sorgten für die Niederlage Preußens [22] [23].

Napoleon in einem Brief an Lannes:
»Es ist unbegreiflich, wie der Herzog von Braunschweig, den man doch für talentvoll hält, so lächerliche Operationen anordnen kann [24]

Der König, die Königin, Offiziere und Soldaten flohen. Die Niederlage in der Schlacht von Jena und Auerstedt brachte die erstarrten Strukturen Preußens zum Einsturz. Es trennte sich die Spreu vom Weizen. Königin Louise schrieb dem König am 20. Okt. 1806:
» …12000 Bürger wollen sich bewaffnen und 1500 von den Vornehmsten sind ebenfalls bereit, …für Dich zu fechten, wo Du willst …es ist unbeschreiblich …alles steht auf um Dich zu schützen. Benutze die Gelegenheit … Nur um Gottes Willen keinen schändlichen Frieden!
Der Augenblick ist kostbar, handle, wirke, schaffe… [25]«

Anhang:

[A] Aus dem Tagebuch der Sophie Marie Gräfin von Voss:

»Memel, 10. Juni 1802.
Der König ritt dem Kaiser um zehn Uhr früh bis eine Viertelmeile vor der Stadt entgegen. Sobald der Kaiser ihn kommen sah, verließ er sofort den Wagen und stieg zu Pferde, um den König so zu begrüßen. Von der Grenze an war er von Detachements Husaren und Dragonern eskortiert worden und vom Stadtthore an, vor dem eine Ehrenpforte errichtet war, bildeten die Infanterieregimenter Spalier. Die Kaufmannschaft empfing den Kaiser ebenfalls am Thore zu Pferde. In allen Straßen waren Musikchöre aufgestellt. Freudenschüsse, Vivats und Hochrufe erfüllten die Luft mit einem festlichen Spektakel. Gräfin Moltke und ich empfingen den Kaiser am Fuße der Treppe und der König stellte mich ihm vor. Oben empfing ihn die Königin im ersten Zimmer; sie war heute schöner wie je. Der Kaiser ging mit den Majestäten in das zweite Zimmer und kam nach einigen Augenblicken wieder heraus, um auf eine sehr verbindliche und liebenswürdige Weise mit mir zu sprechen.
Er ist ein schöner Mann, blond, mit einer sehr frappanten Physiognomie, aber die Gestalt ist nicht schön, oder vielmehr er hält sich nicht gut. Er scheint ein weiches, menschenfreundliches Gemüth zu haben; jedenfalls ist er überaus höflich und freundlich. Um zwei Uhr war Diner; unter dem Gefolge waren auch Graf Tolstoy, Kotschubey, Dolgorucki, Lieven, Wilkowsky und Natisloff. Abends beim Thee waren die Herrschaften erst unter sich und unser Hofstaat im vorderen Zimmer mit den Russen; aber bald kamen die Majestäten zu uns heraus; es wurden Spieltische gebracht und die Leute daran vertheilt, und der Kaiser setzte sich zu mir und sprach sehr lange mit mir. Um elf Uhr Souper an kleinen Tischen.

11. Juni.
Die Königin fuhr hinaus zum Manöver, dann kam der Kaiser, um bei ihr zu frühstücken. Diner wieder um zwei Uhr. Gegen Abend ritt die Königin mit dem Kaiser nach dem Lager hinaus, die Moltke und ich, Lehndorff und schilden folgten ihr zu Wagen. Abends kam Alopäus an und man soupirte wie gestern. Die Königin sah wunderschön aus.

12. Juni.
Die Königin wieder zu Pferde bei dem Manöver. Zu Tische kam noch der Portugiesische Gesandte in Petersburg, Chevalier Nizza, der ein sehr angenehmer Mann ist. Abends war ein Ball, den die Bürgerschaft gab, und wo eine solche Hitze und ein solches Gedränge war, daß man fast erstickte.
Beim Souper saß ich neben dem Kaiser; er ist ausgesucht liebenswürdig für mich und ich muß sagen, er ist wirklich sehr angenehm und hat ein herzgewinnendes Wesen.

13. Juni.
Ich blieb den Vormittag bei der Königin, die wegen der Hitze nicht hinausgeritten war; der Kaiser kam bald zu ihr uud war so gnädig und liebenswürdig als nur möglich.
Großes Diner. Abends ein kleiner Ball beim König mit einigen vornehmen kurländischen und polnischen Damen, die dazu gekommen waren. Ich tanzte eine Polonaise mit dem Kaiser.

14. Juni.
Zum ersten Frühstück allein mit den Majestäten. Nach Tische bekam die Königin einen Anfall von Brustkrämpfen, die sie noch nie im Leben gehabt hat, ich glaube in Folge der großen Hitze. Der Prinz Alexander von Württemberg kam an. Abends ritten die beiden Majestäten; die Königin, die Prinzessin von Württemberg und ich fuhren zum Leuchtthurm hinaus.

15. Juni.
Die Königin Gottlob wieder wohl. Ich war allein mit den Majestäten den Morgen über und auch beim Diner, der übrige Hof aß mit den russischen Herren. Der Kaiser war unendlich liebenswürdig und gnädig und trank meine Gesundheit auf eine besonders freundliche Weise. Er ist der liebensswürdigste Mann, den man sich denken kann, und dabei durch und durch ein Ehrenmann in seinen Ansichten und Gesinnungen. Der Arme ist ganz begeistert und bezaubert von der Königin! — Nach Tisch schenkte er mir ein Paar sehr schöner Brillant-Ohrringe und der Moltke ein Perlenhalsband.
Ich dankte ihm für seine große Freundlichkeit und Gnade. Später ritt die Königin wieder mit den beiden Majestäten spazieren; nach dem Thee wurden die russischen Herren hereinbefohlen, um Abschied zu nehmen. Ich war ganz betrübt, daß diese hübschen Tage schon zu Ende sein sollten.

16. Juni.
Bis um 10 Uhr war der Kaiser noch bei den Majestäten zum Frühstück, dann reiste er ab und Graf Kalkreuth begleitete ihn. Ich nahm mit Thränen Abschied von ihm und in der That, wir Alle weinten! — Gleich darauf reisten wir auch ab, die beiden Majestäten zu Pferde, bis eine Meile vor Tilsit, wo die Königin sich in den Wagen setzte, nachdem sie vorher ganz durchgeregnet worden war. Der Einzug in Tilsit, wo wir sehr festlich empfangen wurden, war recht hübsch; die nächsten Tage hindurch waren Revuen und Manöver.

Am 23. Februar 1803 schenkte Gott der Königin ihr siebentes Kind, eine Prinzessin, welche den Namen Alexandrine erhielt [26]

[B] Carl von Clausewitz:
»Der Krieg ist unter allen Umständen als kein selbständiges Ding, sondern als ein politisches Instrument zu denken. Nur mit dieser Vorstellungsart ist es möglich, nicht mit der sämtlichen Kriegsgeschichte in Widerspruch zu geraten.
Der Krieg gehört nicht in das Gebiet der Künste und Wissenschaften, sondern in das Gebiet des sozialen Lebens. Er ist ein Konflikt großer Interessen, der sich blutig löst, und nur darin ist er von den anderen verschieden. Besser als mit irgendeiner Kunst ließe er sich mit dem Handel vergleichen, der auch ein Konflikt menschlicher Interessen und Tätigkeiten ist, und viel näher steht ihm die Politik, die ihrerseits wieder als eine Art von Handel in größerem Maßstabe angesehen werden kann [27]

Quellen:
[ 1] von Ranke, Leopold, Preußischer Geschichte, Hamburg 2010, S. 34ff
[ 2] Borkowsky, Ernst, Deutscher Frühling 1813, Berlin 1912, S. 42
[ 3] Streisand, Joachim, Deutschland von 1789 bis 1815, Berlin 1977, S. 124
[ 4] Borkowsky, Ernst, a.a.O. S. 38f
[ 5] Platthaus, Andreas, 1813 Völkerschlacht und Ende der alten Welt, Hamburg 2013 S.39
[ 6] Oster, Uwe, Der preußische Apoll, Regensburg 2003, S. 240f
[ 7] ebd. S.218
[ 8] Borkowsky, Ernst, a.a.O. S. 35
[ 9] Streisand, Joachim, a.a.O. S. 125
[10] Oster, Uwe, a.a.O. S. 219
[11] Streisand, Joachim, a.a.O. S. 126
[12] Manitius/Rudel/Schwahn, Illustrierte Weltgeschichte, Berlin 1923, S. 92f
[13] Streisand, Joachim, a.a.O., S. 127
[14] Oster, Uwe a.a.O., S. 257
[15] Clark, Christopher, Preußen – Aufstieg und Niedergang München 2008, S. 353f
[16] Oster, Uwe, a.a.O. S. 219
[17] http://www.koenigin-luise.com, Die Politikerin – Luise mischt sich ein, Aufgerufen am 16.04.2016
[18] Borkowsky, Ernst, a.a.O. S. 35
[19] Oster, Uwe a.a.O. S. 259f
[20] ebd.
[21] https://www.preussen.de/ de/geschichte/1797_friedrich_wilhelm_iii./ prinz_louis_ferdinand_von_preussen.html Aufgerufen am 18.01.2016
[22] Borkowsky, Ernst a.a.O. S. 54
[23] Knoll, Stefan, Preußen Ein Beispiel für Führung und Verantwortung Berlin 2010 S. 111
[24] Borkowsky, Ernst a.a.O. S. 56
[25] Engel, Hans Joachim, Preußische Geschichte / Heft II – 2010, S. 9
[26] Voss, Sophie Marie Gräfin v., Neunundsechszig Jahre am Preußischen Hofe, Leipzig 1876, S. 242ff
[27] Clausewitz, Carl von, Grundgedanken zu Krieg und Kriegführung Leipzig 1915, S. 6