Der Preuße an der Goldküste.

Brandenburg litt an den Folgen des Dreißigjährigen Krieges und stand mit Schweden im Krieg. Die Verbindung des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm mit der niederländischen Prinzessin Luise Henriette von Oranien-Nassau eröffneten dem brandenburgischen Regenten neue Perspektiven.

Hilfe im Krieg gegen Schweden versprach sich Kurfürst Friedrich Wilhelm von dem niederländischen Hugenotten Benjamin Raule, den er mit einem Grundkapital zum Bau von Schiffen und einem brandenburgischen Kaperbrief gegen die schwedischen Schiffe ausstattete. Da weder Holland noch England die, weil unter holländischer Flagge eingebrachten, Prisen anerkannten, floh, der um seine Beute gebrachte, in seiner Heimat hoch verschuldete, Raule nach Berlin.

Ab 1677 leitete Raule als Ober-Direktor der Seesachen den Aufbau der Brandenburgischen Flotte. Eine Weigerung Spaniens seine Schulden gegenüber Brandenburg zu begleichen, gaben Anlaß, ihm einen gegen Spanien gerichteten Kaperbrief auszustellen. 1680 vermochte er mit einem kleinen Verband von acht Schiffen zwei spanische Silberschiffe im westlichen Atlantik zu kapern und auf Jamaika profitabel zu verkaufen.

Im selben Jahr entsandte der nun im Rang eines brandenburgischen Marine-Generaldirektors stehende Benjamin Raule seinen Kapitän Philipp Pietersen Blonck zur Goldküste (Ghana). Die Dänen hatten ab 1658 im Rahmen des Zweiten Nordischen Krieges gegen Schweden nach und nach alle schwedischen Besitzungen an der Goldküste, inklusive Fort Christiansborg (Accra) erobert. Im Bündnis mit den Dänen konnte Brandenburg auf einen erfolgreichen Einstieg in den Dreieckshandel (Afrik. Sklaven und Rohstoffe -> Neue Welt – Rohstoffe und Produkte der Karibik -> Europa – Gebrauchswaren -> Afrika) hoffen.

Am 16. Mai 1681 wurde, etwas westlich des Kaps der drei Spitzen, mit drei Representanten der Ahanta (Pregate, Sophonie und Apany) ein Freundschafts- und Handelsvertrag abgeschlossen, der die Brandenburger dazu verpflichtete innerhalb von 10 Monaten mit der Errichtung eines Forts zu beginnen [ 1]. Das Forts sollte u.a. den Ahanta Schutz vor ihren Feinden gewähren.

Am 18. November 1682 wurde mit der Brandenburgisch-Africanische Compagnie die erste deutsche Aktiengesellschaft gegründet. Die Hälfte des Kapitals steuerte Raule bei.

Im selben Jahr entsandte Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg eine vom Kammerjunker Major Otto Friedrich von der Gröben geleiteten Expedition von zwei Schiffen, der Chur Prinz (Kptn. Voß) und der Mohrian (Kpt. Blond) zur Goldküste.

Am 1. Januar 1883 wurde am Kap der drei Spitzen die Brandeburgische Flagge gehisst und die Festung Groß-Friedrichsburg gegründet [ 2].
Es handelte sich um eine aus brandenburgischen Ziegeln gemauerte, mit 40 Geschützen bestückte Festung, deren Bau und Betrieb durch ausgesuchte Handwerker (Maurer, Zimmerleute, Büchsenmacher, Schmiede, Barbiere, Schneider, Tischler, Schuster, Bäcker und Böttcher) erfolgte.

Ein Jahr darauf reiste Jan Cunny als Vertreter der in den von Brandenburg beanspruchten Küstenstreifen lebenden Bevölkerung nach Königsberg, um dem preußischen König seine Treue zu bezeugen.

Dreieckshandel.

Im Sommer 1683 segelte die „Chur Prinz von Brandenburg“ mit ihrer ersten Ladung in die Karibik. Es handelte sich vor allem um Sklaven, die den Ahanta abgehandelt worden waren.

Weitere aus Afrika ausgeführte Güter waren Gummi, Häute, Getreide, Elfenbein, Straußenfedern und Edelmetalle. Die Sklaven wurden auf Saint Thomas entladen. Im Westteil der 1666 von den Dänen in Besitz genommenen Insel hatte die Brandenburgisch-Africanischen Compagnie Gebäude und Ländereien gepachtet. Die Gesellschaft beschäftigte ca. 50 Mitarbeiter, meist Niederländer und Hugenotten. Der Schriftverkehr wurde infolgedessen in der niederländischen Sprache abgewickelt [ 3]. Dänemark selbst transportierte zwischen 1625 und 1825 110 000 Sklaven über den Atlantik [ 4]. Die Schiffe der Brandenburgisch-Africanischen Compagnie transportierten zwischen 1683 bis 1717 zw. 17 000 [ 5] und 19 000 [ 6] Sklaven (nach Graichen „dürften“ es 30 000 Sklaven gewesen sein) nach Saint Thomas. Ca. 10 % der Sklaven verloren während der Überfahrt ihr Leben.

In Saint Thomas wurde Zucker, Baumwolle, Tabak, Holz und Kakao geladen um nach Europa verfrachtet zu werden, bevor die Schiffe mit Textilien, Metall- und Gebrauchswaren, Waffen und Branntwein erneut die Goldküste ansteuerten.
Am Handel beteiligt war auch Hamburg, dem der Kurfürst mindestens vier Seepässe, die nachweislich zur Nutzung kamen, verkauft hatte [ 7].

Die hohen Handelserträge des Geschäftsjahres 1686 ermöglichen es dem Kurfürsten, die mittlerweile in Emden angesiedelte Brandenburgisch-Africanische Compagnie ganz zu übernehmen.

Preußen beginnt dort, wo der Sklavenhandel endet.

1688 starb Kurfürst Friedrich Wilhelm. Sein Sohn Kurfürst Friedrich III., der spätere König in Preußen Friedrich I., setzte das Unternehmen fort. Schiffshavarien, vor allem aber die zahlreichen Kaperungen von Schiffen der Brandenburgisch-Africanischen Compagnie durch französische Freibeuter veranlaßten den König dazu, keine weiteren Mittel mehr für den Erhalt der Handels- und Kriegsflotte bereitzustellen [ 7]. Raule wurde der Unterschlagung bei Geld- und Handelsgeschäften bezichtigt und nach kurzem Hin und Her 1698 sinnigerweise in Spandau (die Festung Groß-Friedrichsburg wurde nach den Grundrissen der Festung Spandau errichtet) in Haft genommen. Sein Vermögen fiel an den König. 1702 wurde Raule, unter Auflage sich in Emden anzusiedeln, freigelassen [ 8].

Bereits 1716 wurde der vorletzte Vertreter Brandenburgs in Groß-Friedrichsburg, Generaldirektor Dubois zurückberufen. Die Leitung der Festung wurde Jan Cunny übertragen. Cunny verteidigte Groß-Friedrichsburg gegen die Holländer und verwies dabei auf seinen, dem König von Preußen, geleisteten Eid. Jan Cunny kommandierte eine Armee in einer Stärke von bis zu 20 000 Mann (vorwiegend Ashanti und Wassa aber auch Ahanta und Nzemas).

Mit ihr unternahm er mehrere erfolgreiche Feldzüge gegen die Niederländer und Briten, brachte das eine oder andere ihrer Schiffe auf und befreite die damit transportierten Sklaven. 1724 unterlag Cunny den, durch die Fante unterstützten, Briten und floh nach Kumasi [ 9].

1717 und 1720 verkaufte der auf König Friedrich I. folgende Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., die afrikanischen Besitzungen an die seit dem 03. Juni 1621 im Sklavenhandel tätige Geoctroyeerde West-Indische Compagnie (Niederländische Westindien-Kompanie, WIC) und überließ den Sklavenhandel fortan der Konkurenz. Die Niederländer sollten 600 000 Menschen aus Afrika als Sklaven in die Neue Welt verschiffen und verkaufen [10].

Die durch Friedrich Wilhelm I. erzielten 7200 Dukaten [11] flossen dem Heer zu [12]. Die Niederländer hingegen sollten an ihrer Erwerbung keinerlei Nutzen finden. 1791 war die Geoctroyeerde West-Indische Compagnie bankrott.

Das Heer und nicht der Sklavenhandel begründete das preußische Selbstverständnis.

Kulturhistorisch bleibt die seinerzeit zur Ausbildung von Schiffsoffizieren errichtete Berliner Sternwarte.

Quellen:

[ 1] Girra, Dagmar, Aufstieg und Fall eines Abenteurers in Berlinische Monatsschrift Heft 5/99 Edition Luisenstadt auf www.luise-berlin.de Stand: 12.03.2020
[ 2] Graichen/Gründer, Deutsche Kolonien, Berlin 2005, S. 27ff
[ 3]ebd.
[ 4] Ressel, Magnus, Hamburg und die Niederelbe im atlantischen Sklavenhandel der Frühen Neuzeit in WERKSTATT GESCHICHTE / Heft 66–67, Essen, 2014
[ 5] www.matrix169.wordpress.com/geschichte/vor-der-goldkueste, Stand 12.03.2020
[ 6] Ressel, Magnus, a.a.O.
[ 7] ebd.
[ 8] Girra, Dagmar, a.a.O.
[ 9] Ahanta Apemenyimheneba Kwofie III. auf www.ghanaweb.com/GhanaHomePage/features/ Ahantas-and-acts-of-bravery-and-heroism-The-story-of-John-Canoe-627417, Stand 12.03.2020
[10] Schweighöfer, Kerstin, Die dunkle Kolonialgeschichte der Niederlande auf www.deutschlandfunk.de/sklavenhandel-die-dunkle-kolonialgeschichte-der-niederlande, Stand 12.03.2020
[11] Graichen/Gründer, a.a.O.
[12] Girra, Dagmar, a.a.O.