Prinz Charles zum Volkstrauertag.

Anläßlich des Volkstrauertages hielt Seine königl. Hoheit Prinz Charles eine Rede vor dem Bundestag.

Am Tage nach seinem Geburtstag nahm der Prinz von Wales die Reise nach Berlin auf sich, um uns Deutschen aber auch den Briten was zu sagen? Es mußte ihm wichtig sein, sonst wäre er nicht gekommen.

Nach dem Brexit ist die „Gestaltung dieser Beziehung [zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich] … Gegenstand von Verhandlungen zwischen unseren Regierungen, und ihr Wesen wird durch die anhaltenden Verbindungen zwischen unseren Völkern bestimmt.“ So der Prinz von Wales.

In einem Rückblick auf die lange Geschichte deutsch-britischer Beziehungen, hob er hervor, daß im 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert viele Briten in Deutschland studierten. Beide Länder hätten mit Bewunderung auf das jeweils andere Land geblickt. Deutsch war zeitweilig die erste Fremdsprache der Briten.

Und so hielt Prinz Charles die Hälfte seiner Rede in der deutschen Sprache, gleichwohl er sie nur unzureichend beherrscht. Doch die Verwendung der deutschen Sprache mußte einem jeden Briten ins Auge springen, zudem dem einen oder anderen Deutschen, der mit Kleist, Schiller und Goethe mit den Romantikern und Aufklärern nichts mehr zu verbinden vermag.

Prinz Charles vergaß nicht seinen Vorfahren Prinz Albert zu erwähnen. Fragen wir uns, womit hat dieser Deutsche das Herz Königin Victorias, wie zudem, und das bis heute, die Herzen vieler Engländer erobert?

„Niemand ist eine Insel, in sich ganz; jeder Mensch ist ein Stück des Kontinents, ein Teil des Festlandes“, zitierte Prinz Charles den englischen Dichter John Donne. Ob wir Deutschen den Briten, die, nachdem sie lange Zeit Corona unterschätzt hatten, nun die bürgerlichen Freiheiten in einem Maße mit Füßen treten, das selbst die Bemühungen der deutschen Oberlehrer in den Schatten stellt, ein Vorbild sein können, entscheidet sich im Umgang mit den Andersdenkenden.

Prinz Charles sagte, ohne Corona zu erwähnen: „Wir müssen wachsam bleiben angesichts von Bedrohungen für unsere Werte und Freiheiten; und müssen uns unermüdlich für gegenseitiges Verständnis und Respekt einsetzen. Gegen Akte unsagbarer Grausamkeit gegen Menschen aufgrund ihrer Religion, ihrer ethnischen Herkunft oder ihrer Überzeugungen müssen wir, wo auch immer sie auf der Welt geschehen, entschieden vorgehen.“

Soweit so gut. Außerordentlich brilliant wurde der britische Thronfolger als er den kürzlich verstorbenen, ehemalige Großrabbiner des Vereinigten Königreichs, Rabbi Lord Sacks mit den Worten zitierte, daß „eine Zukunft der Versöhnung – zumindest zu einem gewissen Maße – die Vergangenheit rückwirkend tilgen kann“.

Andernfalls, so der Prinz von Wales „verschlimmern wir nicht nur vergangene Verfehlungen und verstärken ihre Wirkung, sondern enttäuschen auch all jene, die für eine bessere Zukunft gekämpft und dafür ihr Leben gelassen haben.“

Konkret, wer Schlägertrupps als ANTIFA losschickt, die vermeintliche oder tatsächliche, rechtsradikale Bürger zusammenschlagen oder durch das Stören friedlicher Demonstrationen (wie in Leipzig, als, um ein Detail zu nennen, durch den Wurf einer Flasche ausgerechnet ein eher links orientierter Journalist verletzt wurde) eine Eskalation mit der Polizei provozieren, ist intellektuell Äonen hinter dem Prinzen von Wales zurück, hilft uns aber zu verstehen, wie wir es nicht machen sollten!

Die Vergangenheit gilt es zu erinnern, gerade in Deutschland, sie zu verarbeiten bedeutet einem jeden Menschen mit Respekt zu begegnen, Gewalt nicht mit Gegengewalt sondern mit Vernunft zu beantworten, das Selbstbewußtsein der Menschen zu fördern, wie ihren Sinn für die Notwendigkeiten der Gegenwart, die Sprache im Disput zu pflegen, damit es der Flaschen nicht mehr bedarf.

Es überrascht nicht, daß der Prinz von Wales seine Überzeugung äußerte, daß Deutsche und Briten „gemeinsam an innovativen und praktischen Lösungen für die Herausforderungen arbeiten, mit denen wir uns auf der Welt konfrontiert sehen – die Weltgesundheit und die Impfstoffentwicklung, sauberes Wachstum und erneuerbare Energien, den Schutz der Wälder und der Biodiversität, und Klimaschutz in Entwicklungsländern.“

Das sollten wir anstelle der gegenwärtig hier wie da betriebenen politischen Spielchen denn auch tun.